Klein und groß mit Schwänzchen an den Flügeln

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Schmetterlinge gehören eher zu den kleineren Geschöpfen in der Tierwelt. Dennoch gibt es deutlich mehr kleinere Tiere als Schmetterlinge gegenüber jenen, die größer sind.

Selbst bei den Tagfaltern, betrachtet man nur diese „Familie“ (Papilionoidea) der Schmetterlinge, wird das Spektrum der Größenunterschiede deutlich enger und überschaubarer.

Die frisch geschlüpfte Raupe des Nierenfleck- Zipfelfalters (Thecla betulae) ist schon ein Winzling, den man aber wenigstens noch mit bloßem Auge erblicken kann.

Raupe von Thecla betulae an einem Stecknadelkopf
Raupe von Thecla betulae an einem Stecknadelkopf (8. April 2021)

Natürlich sind die jungen Raupen extrem klein und lassen sich nicht mit Raupen anderer Arten in einem anderen Wachstumsstadium vergleichen. Es soll hier nur vermittelt werden, dass aus einer unscheinbaren Larve mal ein prächtiger Schmetterling werden könnte…

Der Falter selbst gehört auch eher zu den kleineren Vertretern unter den Tagfaltern, ist aber im Prinzip unverwechselbar. Der Trivialname stammt von dem Fleck auf den Oberflügeln der weiblichen Falter. Ein weniger häufiges Merkmal sind die kleinen schwanzartigen Verlängerungen an den Hinterflügeln. Bei  Bläulingen (Lycaenidae) findet man das öfters, ansonsten noch bei den Ritterfaltern (Papilio machaon, Iphiclides podalirius).

Foto von Marco Mey
Foto von Christine Diener

 

Sehr unverständlich ist die wissenschaftliche Namensgebung in diesem Fall. Betula sind Birken, wobei die Raupenfutterpflanze vorrangig Schlehen und andere Gewächse aus der Pflanzenfamilie Prunus (Rosengewächse) sind. Birke wird als Futterpflanze gar nicht besetzt.

Der Nierenfleck könnte deutlich häufiger anzutreffen sein, wenn nicht jedes Jahr über die Winterzeit so viele Schlehensträucher zurückgeschnitten würden. Die Eier haften dort einzeln in Astgabeln und die Tiere haben natürlich später keine Chance als Raupe zu überleben, wenn die geschnittenen Äste im Hächsler landen oder auch nur einige Meter vom Strauch entfernt liegen bleiben. Die kleinen Raupen haben kaum eine Chance, eine Distanz von einigen Metern bis zur Futterpflanze zu überbrücken.

Aus einer anderen noch kleinen Raupe, die mit ihrem „Geweih“ schon etwas bizarr wirkt, wird später mal der größte Tagfalter Europas. Mit über 9cm Spannweite und seinen 4 Schwänzchen ist der Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius) in Europa einzigartig.
Betrachtet man die Raupe des Falters, so könnte man annehmen, dass die Fortsätze hinter der Kopfpartie bereits die Flügelschwänze erahnen lassen. Da aber Raupen anderer Falter mit schwanzähnlichen Flügelerweiterungen solche Auswüchse nicht besitzen, ist es wohl doch ein Zufall…

L2- Raupe von Charaxes jasius
L2- Raupe von Charaxes jasius (13. April 2021)
L2- Raupe vom Erdbeerbaumfalter (13. April 2021)

Der Erdbeerbaumfalter kommt ausschließlich in Regionen vor, wo der Erdbeerbaum (Arbutus), die bevorzugte Raupenfutterpflanze natürlich vorkommt, vorrangig also im Mittelmeerraum. Eine Zucht soll auch mit echtem Lorbeer (Laurus nobilis) oder auch Rosengewächsen möglich sein…

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Antherina suraka – Schmetterling als Nahrungsmittel

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Der endemische Pfauenspinner Anterina suraka gilt auf der Insel Madagaskar auch als Nahrungsmittel. Als Zuchtobjekt für Schmetterlingszüchter ist das Tier allerdings jenseits einer Verspeisungsabsicht ebenfalls recht beliebt.
Denn die Raupe lässt sich auch über die Wintermonate mit Lorbeerkirsche oder Liguster füttern.

Antherina suraka

Bemerkenswert bei der Raupe ist das deutlich unterschiedliche Aussehen in den verschiedenen Entwicklungsstadien.
Der Falter selbst besitzt insbesondere auffällige Hinterflügel, die er bei Gefahr vorzeigt und hin und her bewegt. Fressfeinde werden dadurch irritiert, denn das typische Augenmuster wirkt in der Natur abschreckend.

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Iphiclides podalirius – Segelfalter im zeitigen Frühjahr

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Der Segelfalter ist in Mitteleuropa der nächste Verwandte des allseits bekannten Schwalbenschwanzes (Papilio machaon). Allerdings ist Iphiclides podalirius deutlich seltener anzutreffen. Beständige, aber überschaubare Populationen gibt es in Flusstälern mit steilen Hanglagen wie am Rhein oder an der Mosel.
Der Falter gilt als wärmeliebende Art. Umso erstaunlicher ist es, dass Falter der ersten Generation bereits im März fliegen.


In der Zucht wollte ich erfahren, wie früh die Falter schlüpfen. Die Puppen, die aus der Slowakai stammten, wurden kühl bei relativ konstanten Temperaturen um 12 Grad Celsius aufbewahrt. Anfang März gab es in Deutschland wieder einen Wintereinbruch, was auch das nördliche Saarland nicht verschonte. Nachts sanken die Temperaturen im Freien deutlich unter den Gefrierpunkt. Das wirkte sich auch kurzfristig auf die Haltungsbedingungen bei offenem Fenster aus. Aber unter 8 °C sank die Umgebungstemperatur nie.

Dennoch konnte man bereits am 18. März 2021 ungeachtet der niedrigen Temperaturen bei 3 Puppen die Flügel durch die Außenhülle erkennen. Leider sind die Falter trotzdem nicht geschlüpft. Sie schafften es nicht, die Puppenhülle zu durchstoßen.

Augenscheinlich scheint die Temperatur doch eine entscheidende Auswirkung auf den Schlupf und eben auf die Populationsdichte zu haben. Erwiesen ist, dass das Vorkommen nach Süden zunimmt und im Mittelmeerraum der Schmetterling sogar häufig vorkommt, während nach Norden die Populationsdichte deutlich abnimmt.

Auch gibt es in Mitteleuropa Inselpopulationen, was wohl auf das Mikroklima in diesen Regionen zurückzuführen ist. Es handelt sich vorwiegend um Regionen, die weitgehend frostfrei bleiben, jedenfalls im Durchschnitt höhere Temperaturen vorweisen als im Rest Mitteleuropas.
Diese Theorie bleibt allerdings vage. Denn Iphiclides podalirius wird regelmäßig in Ostdeutschland gesichtet, auch in Regionen mit strengen Wintern. Es ist durchaus möglich, dass die Falter dorthin einfliegen.
So besitzt beispielsweise Frankfurt/ Oder eine Durchschnittsjahrestemperatur von 10.1 °C bei 677mm Niederschlag und einer Höhe von 54m über Meeresniveau. Hingegen kommt der Segelfalter im Schwarzwald nicht vor, obwohl das Breisgau eigentlich hervorragende Bedingungen liefern würde.

Meine Zuchtpuppen hatte ich nach den herben Verlusten nun bei Zimmertemperatur gelagert und am 25. März 2021 schlüpfte endlich ein Falter.
Ich kann es nicht mit Gewissheit behaupten, aber ich hege den Verdacht, dass bei kalter Witterung viele Segelfalter nicht schlüpfen und dies ursächlich für die Populationsdichte sein könnte. Ich gehe auch mit großer Wahrscheinlichkeit aus meinen gesammelten Erfahrungen davon aus, dass die Entwicklung von Puppe zu Falter bei Iphiclides podalirius vom Tag- Nacht- Zyklus bestimmt wird und keineswegs von der Temperatur. Das kann tragisch für die Falter sein . Niedrige Temperaturen erschweren offensichtlich den Schlupf und wirken sich damit auf die Populationsdichte aus. Es ist nämlich schwer zu erklären, dass ein wärmeliebender Falter so früh im Jahr schlüpft und zwar unabhängig von Region und Temperatur.

Die Puppen wurden sorgfältig mit Bindfäden an Pflanzenstengel gebunden, wie es bei Gürtelpuppen in der Natur auch der Fall ist.

Nachweise vom Segelfalter gibt es nicht in unserer Region, aber nur knapp 30 Kilometer entfernt in verschiedene Richtungen (Mosel, Saar, Nahe) wurden immer wieder Exemplare gesichtet. Durch den Klimawandel scheint sich die Art auszubreiten, wird aber wohl selten bleiben. Die geschilderten Erfahrungen dürften zum Teil ein Grund  dafür sein, aber auch die massiv kultivierte Agarlandschaft verhindert wohl das Ausbilden beständiger Populationen. Die Falter suchen sich sonnenexponierte Hänge mit Bestand der Raupenfutterpflanzen aus, um Eier abzulegen. Dabei handelt es sich um Schlehe, Trauben- und Felsenkirsche, Weißdorn sowie Zwetschge.  Aprikose und Pfirsisch werden vorwiegend im Mittelmeerraum besetzt. Schlehdorn wird als lästiges Gestrüpp oft vernichtet. Auch ein weiterer Grund, weshalb die Art vom Ausstreben bedroht ist und in Deutschland schon lange auf der „Roten Liste“ bedrohter Arten geführt wird.

Anmerkung: Diese Ausarbeitung ist keine wissenschaftliche Arbeit. Es handelt sich um Feststellungen und eigene Analysen, die nach bestem Wissen und Gewissen ausgearbeitet wurden.

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Schmetterlingstod durch Heckenschnitt im Winter

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Es ist vielerorts üblich, dass über die Winterzeit Hecken und Sträucher gestutzt werden. Auch Bäume werden gefällt. Im März zeigt sich regelmäßig ein Bild der Verwüstung etlicher Naturlandschaften. Denn nicht selten werden auch dort jene fragwürdigen Rückschnitte vorgenommen, wo eigentlich keinerlei Veranlassung bestehen würde.

Bildquelle: Jonathan Lüscher, Waldrand bei Uster, Schweiz
Bildquelle: Jonathan Lüscher, Waldrand bei Uster, Schweiz

Die Bilder zeigen einen Waldsaum, der an eine Wiese grenzt. Vermutlich will der Landwirt damit verhindern, dass die Hecken in die Wiese wachsen oder sie zumindest verschattet. Ökologisch war das eine Katastrophe für viele Nierenfleck- (Thecla betulae) und Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni). Denn im vergangen Jahr haben dort die Weibchen der beiden Falterarten viele Eier an die Futterpfanze Schlehdorn gelegt. Die Eier überwintern vorwiegend in Astgabeln in der Nähe von Blattknospen, um im Frühjahr möglichst schnell an Futter zu gelangen.


Das Ei selbst ist kaum einen Millimeter groß, aber leuchtet weiß, dass man mit geschultem Auge durchaus welche nachweisen kann. Ein aufmerksamer Schmetterlingsfreund (Jonathan Lüscher) konnte etwa 200 Eier allein an den abgeschnittenen Zweigen finden. Daran kann man sich ausmalen, wie groß der ökologische Schaden durch unbedachtes Heckenschneiden sein kann.

Das Schneiden von Hecken und Sträuchern sowie das Fällen von Bäumen ist in Deutschland im Prinzip zwischen dem 1. März und dem 30. September laut Bundesnaturschutzgesetz §39 untersagt. Ausnahmen hiervon gibt es fatalerweise mehr als die Norm. Das Bundesnaturschutzgesetz beachtet beim Heckenschnitt allerdings auch nur Vögel und Säugetiere. Insekten, wie diese Schmetterlinge, finden keinerlei Berücksichtigung. Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass man den massiven Rückgang an Insekten nicht aufhalten kann. Die Lebensräume werden kontinuierlich weiter zerstört.

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Magerwiese oder Blumenwiese?

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Blumenwiesen liegen im Trend. Das wurde aufgrund des Bekanntwerdens eines massiven Insektensterbens für viele Kommunen, aber auch Privatleute zum Beitrag, dagegen etwas unternehmen zu wollen.

„Gut gemeint“ ist oft nicht „gut gemacht“. Einfach eine Aussaat bunter Blumen bringt nachhaltig meist wenig. Es summen zwar Bienen und auch Schmetterlinge finden sich gelegentlich ein, jedoch ist die Auswahl der Pflanzen von entscheidener Bedeutung.


Einheimische Gewächse, vorrangig Pflanzen, die auf kargen, oft sandigen Böden noch gedeihen, werden von der Insektenwelt bevorzugt. Man spricht dann auch von einer Magerwiese. Der Boden ist weitgehend nährstoffarm, also „mager“. Das Gegenteil sind „Fettwiesen“. Diese kann man insbesondere im Frühjahr gut erkennen, wenn irgendwo ein Meer von Löwenzahnblüten zu erblicken ist. Das ist nicht selten ein Zeichen, dass dort Gülle eingebracht wird. Dadurch erhält der Boden viele Nährstoffe und Pflanzen, die solche Bedingungen beanspruchen, gedeihen dort besonders gut. Auch diese Wiesen besitzen ihre Daseinsberechtigung, denn auch dort leben spezialisierte Pflanzen und Insektenarten.
Allerdings bevorzugen gerade Schmetterlingslarven größtenteils Futterpflanzen, die auf Magerwiesen wachsen. Die Flockenblume ist dort häufig anzutreffen, aber auch viele andere Insektenmagneten.


Besonders gefreut hat mich der Fund eines Raupengespinstes vom Wegerich- Scheckenfalter (Melitaea cinxia), einem Falter, der sich nur in weitgehend naturbelassenen Wiesenrefugien mit den Raupenfutterpflanzen wohl fühlt.
Im zeitigen Frühjahr, hier ab etwa Anfang März 2021 verlassen die jungen Raupen ihr Gespinst, wo sie gemeinschaftlich überwinterten. Eine Mahd im Herbst hätte die Raupen allesamt getötet. Dementsprechend ist es von großer Bedeutung, wenn man der Natur etwas nachhaltig Gutes tun möchte, entgegen aller verkrusteten Vorstellungen von Ordnung, die Wiese nicht zu mähen oder eben mit Sense oder Balkenmäher schonend und das Schnittgut auch bis in den März des Folgejahres liegen zu lassen.

Eine Blumenwiese erfüllt nur einen geringen Zweck, wenn man sie den Insekten nicht das komplette Jahr zur Verfügung lässt. Die Insekten ziehen ja nicht wie Zugvögel in den warmen Süden und kommen im Frühjahr wieder zurück. Sie leben meist das ganze Jahr in ihrem Lebensraum, nur eben weniger sichtbar.

Raupen wie jene vom Wegerich- Scheckenfalter sind gute Indikatoren, dass man mit der angelegten Blumenwiese auf dem richtigen Weg ist.

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Zuchttagebuch 19.02.2021

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Die Raupen von Acherontia atropos (Totenkopfschwärmer) sind inzwischen fast alle ausgewachsen, manche haben sich auch schon in Erde eingegraben.

Wie man erkennen kann, ist eine Raupe dunkler gefärbt. Diese Aberration ist bei dieser Art nicht ungewöhnlich.

Auch die ersten Raupen von Antherina suraka spinnen sich ein.

Dem am 27. Januar 2021 deutlich zu früh geschlüpften Waldbrettspiel (Pararge aegeria) scheint es noch gut zu gehen. Als Futter bekommt der Falter in Sirup getränkte Bananenstücke. Ich hoffe, dass ich das Tier bald in Freiheit entlassen kann. Es hängt maßgeblich von den Temperaturen ab.

Die Puppen von Iphiclides podalirius (Segelfalter) wurden inzwischen an kleinen Zweigen mit Nähgarn befestigt, sodass sie möglichst den natürlichen Bedingungen für den Schlupf vorbereitet sind.

Nachdem im November und Dezember 3 Exemplare von Attacus atlas geschlüpft waren, leider alle zu unterschiedlichen Zeiten, dass keine Paarung möglich war, verhaaren die restlichen Kokons immer noch in Pausenstellung.

Wie immer aktiv beim gemeinschaftlichen Fressen sind die Raupen von Samia ricini (Götterbaumspinner).

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Ist der Segelfalter ein Profiteur des Klimawandels?

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Zu den imposantesten Tagfaltern Mitteleuropas gehört zweifelsohne Iphiclides podalirius.

Iphiclides podalirius (Moseltal bei Valwig, 2018)

Dem Schwalbenschwanz (Papilio machon)  recht ähnlich ist dieser nahe Verwandte allerdings deutlich seltener vorzutreffen. Seine Ausbreitung beschränkt sich auf eher warme Flusstäler. Im Mittelmeerraum ist der Falter recht verbreitet und auch ziemlich häufig.
Im Laufe der Jahre trifft man aber den Falter auch vereinzelt in Regionen an, wo es noch vor Jahren unvorstellbar gewesen wäre, dass man hier ein Exemplar entdecken konnte.
Vereinzelte Nachweise für das Saarland beschränken sich auf das Moseltal bei Perl.  Auch im Nahetal zwischen Bad Kreuznach und Birkenfeld wurde die Art immer mal wieder gesichtet.

Zur Zeit befinden sich 10 Puppen vom Segelfalter in meiner Obhut, die im Keller bei gemäßigt niedrigen Temperaturen und wenig Licht überwintern. Die Puppen stammen ursprünglich aus Polen, wo die Art offensichtlich noch stabile Populationen vorweisen kann.

Iphiclides podalirius (Puppen, Februar 2021)

Die klimatischen Bedingungen im nördlichen Saarland, an bewaldeten Südhanglagen mit Schlehenbewuchs könnten inzwischen den Ansprüchen der wärmeliebenden Faltern entsprechen.

Iphiclides podalirius (Puppe, künstlich mit Nähgarn an Stengel befestigt.)

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Was machen die Blumenwiesen eigentlich im Winter?

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Blumenwiese des saarländischen Rundfunks auf dem Halberg

Das Insektensterben hat hervorgebracht, dass plötzlich viele Leute glauben, das Anlegen einer farbenprächtigen Blumenwiese würde jene Katastrophe mit dem Artenrückgang aufhalten. Gerade wenn Unternehmen oder Behörden unter eifrigem medialen Getöse solche Prestigeprojekte vorstellen, handelt es sich vorwiegend um öffentlichkeitswirksame Beruhigungspillen, um ansonsten so weitermachen zu können wie bisher…

Blumenwiese des saarländischen Rundfunks auf dem Halberg
Blumenwiese des saarländischen Rundfunks auf dem Halberg

Auch der Saarländische Rundfunk hat vor den Gebäuden der Sendeanstalt auf dem Halberg plakativ auch eine große Blumenwiese angelegt.  Dieses Engagement ist grundsätzlich begrüßenswert. Allerdings wurde auch hier der gleiche Fehler begangen wie so oft, wenn solche Projekte durchgeführt werden, ohne entomologische Expertise einzuholen. Da genügt eben nicht die Erfahrung eines Landschaftsgärtners und Botanikern.

Das entscheidende Problem entsteht mit der Mahd im Herbst. Denn wenn man eine Blumenwiese explizit wegen des Erhalts der Insektenpopulationen anlegt, muss man das auch im Bewusstsein tun, dass diese Insekten über die Wintermonate nicht wie Zugvögel in den Süden wandern und im Frühjahr zum gedeckten Tisch zurückkehren. Der überwiegende Teil der Insekten überwintert genau in diesem Habitat, indem sie leben.

Die Mahd im Herbst killt bereits einen Großteil der Lebewesen im Lebensraum Wiese. Insbesondere wenn zum Mähen die konventionellen Mähmaschinen zum Einsatz kommen, die mit ihren Mähwerken alles kleinhächseln und in einen Auffangsack blasen.

Mäht man schonend mit Balkenmäher oder gar mühsam mit Sense, so nutzt diese schonende Form des Mähens auch wenig, wenn das Schnittgut nicht über Winter liegen gelassen wird. Die meisten Insekten überwintern als Larven oder Eier, manche auch als Puppen an Pflanzenstengeln. Arten, die in oder auf dem Boden überwintern, benötigen das Schnittgut als schützende Schicht vor Schnee und Eis.

In unberührter Natur gibt es kein Mähen. Dort knicken die Grashalme vom Wind um und der Rest wird vom Schnee niedergedrückt. Dort knabbern die Rehe und Hasen das Gras ab.

Die Raupe vom Wegerich- Scheckenfalter (Melitaea cinxia)  überwintert gemeinschaftlich in einem Gespinst in Bodennähe. Nur selten krabbeln sie im Winter hervor.

Die Raupe des Mauerfuchses (Lasiommata megera) gehört auch zu jenen Wiesenbewohnern, die sogar im Winter aktiv sind und sich zum Fressen aus ihren Verstecken heraus wagen.

Die Puppe des Aurorafalters (Anthocharis cardamines)  hängt hervorragend getarnt an verdorrten Zweigen der Futterpflanze seiner Raupen, vorwiegend Wiesenschaumkraut und Knoblauchraute.

Naturbelassene Wiesen sind die Lebensräume dieser Schmetterlingsarten und noch vieler anderer Arten mehr. Als Falter taumeln sie über die Blüten, aber als Eier, Raupen und Puppen, was nicht selten 90% eines Schmetterlingslebens beansprucht, sind sie auf eine möglichst naturbelassene Wiese angewiesen. Jeder menschliche Eingriff zerstört Millionen Insektenleben auf wenigen Quadratmetern.

Der gute Wille, einen Beitrag gegen das Insektensterben zu leisten, scheitert meistens an der falschen Vorgehensweise.

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Winterzucht von Raupen

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Eine besondere Herausforderung stellt die Winterzucht von Raupen dar. Denn man muss sicherstellen, dass ausreichend Futter zur Verfügung steht, was ja bekanntermaßen im Winter eher spärlich vorhanden ist.
Glücklicherweise nehmen viele Arten auch Ersatzfutterpflanzen an. Diese Raupen ernähren sich polyphag. Liguster gehört zu den Pflanzen, die auch im Winter zum Teil Blätter tragen.

Auf dem Foto sind jeweils eine Raupe von Antherina suraka (u.), Samia ricini (r.) Acherontia atropos (m.) in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auf Ligustrum vulgare zu erkennen.
Nicht alle Raupen vertragen sich und auch wegen Krankheitsübertragungen sollte man die Arten voneinander möglichst getrennt halten.

Einige Raupen des Totenkopfschwärmers werden sich wohl bald zur Verpuppung in Erde eingraben wollen. Das ist unbedingt zu beachten bei Arten, die ihre Puppenzeit unter der Erde verbringen.

Arten wie Antherina suraka und Samia ricini spinnen sich in Kokons ein, die an Blattstengeln oder Blättern befestigt werden.

Eine weitere immergrüne Futterpflanze im Winter für viele Arten ist Prunus laurocerasus. Meine Erfahrungen mit Lorbeerkirsche sind unterschiedlich. Die Pflanze entwickelt in den Blättern Substanzen, die sie winterhart machen. Diese Substanzen können unter Umständen für Raupen bei hoher Dosierung sogar toxisch wirken. Es ist ratsam, möglichst junge Triebe als Futter zu verwenden.

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Waldbrettspiel im Januar

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Nordsaarland, 27.01.2021:

Mein Schmetterlingsjahr 2021 für einheimische Tagfalter beginnt diesmal extrem früh. Am 27. Januar 2021 ist im Keller bei durchschnittlich 10 Grad Celsius tatsächlich ein Waldbrettspiel ausgeschlüpft.

Im vergangenen Herbst fand ich eine grüne Raupe, die ich nicht richtig bestimmen konnte, langsam an einem Fenster vom Wintergarten hochkriechen. Zuvor wurden die Wasserpflanzen vom Gartenteich geschnitten, sodass die Vermutung nahe lag, dass die Raupe hiervon gestört wurde und nun sozusagen die Flucht ergriff.

Mit meinen Bestimmungsversuchen vermutete ich Thymelicus sylvestris, den Braunkolbigen Dickkopffalter. Die Raupe ist sehr ähnlich und ich wäre aufgrund des Fundortes nie auf Pararge aegeria gekommen. Zwar grenzt unser Garten unmittelbar an ein kleines Waldstück, wo auch regelmäßig das Waldbrettspiel nachgewiesen werden kann. Doch war die unmittelbare Fundstelle direkt in Hausnähe, wo direkt der Gartenteich an die Terrasse anschließt und dementsprechend auch nur Wasserpflanzen wachsen. Also eher nicht die richtigen Habitatansprüche für diese Art.
Eine weitere Überraschung war schließlich der zeitlich frühe Schlupf des Falters. Zwar gehört der Falter zu den ersten, die in der neuen Schmetterlingssaison recht früh zu sehen sind, aber Januar ist deutlich zu früh. Im Keller herrschen zwar keine Gefriertemperaturen, aber es bleibt stets kühl und dunkel.

Während draußen sogar noch Schnee liegt, hat sich der Falter innen entschlossen, auszuschlüpfen.

Waldbrettspiel

 

Update 10. Februar 2021

Der Falter ist noch am Leben. Die Temperaturen sind zurückgegangen und das Tier hat seine Vitalfunktionen auf ein Minimum zurückgefahren. Bei etwa 8 Grad Celsius ist das sicher eine Herausforderung für einen Falter, der eigentlich erst im Frühjahr erscheinen sollte. Als Futter dient derzeit eine überreife Banane, die auch bei Temperaturen im zweistelligen Bereich angenommen wird.

 

 

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Schmetterlinge, Raupen und Natur