Wenn Blödheit weh tun würde…

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Wenn Blödheit wehtun würde, müssten so manche Intelligenzflüchtlinge aus dem politisch ganz weit rechten Spektrum permanent laut schreien. Jetzt ist mir glatt ein Faux Pas unterlaufen. Sie schreien ja längst pausenlos in den sozialen Netzwerken.

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Eine irrwitzige Geschichte verbreitet sich vorwiegend in rechtspopulistischen Kreisen.

Was würdest du tun, wenn Asylanten dein Auto besetzen?

So lautet die Überschrift und soll eine Empörung erzeugen, welche völlig fiktiv ist. Trotzdem wird der Text als Tatsachenbericht suggeriert. Im Artikel variiern gelegentlich die Örtlichkeiten und Personen, aber inhaltlich bleiben alle Varianten gleich. Selbst das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein scheint näher an der Realität angesiedelt zu sein als jene haarsträubende Situationsbeschreibung. Obwohl sich die jeweiligen Polizei- Dienststellen von den Schilderungen distanziert haben, finden sich immer noch Leute, welche offensichtlich keine Scheu besitzen, der eigenen Intelligenz eine Absage zu erteilen. Die Geschichte ist frei erfunden und entspringt augenscheinlich dem Hirn eines üblen Rassisten. Die Kommentare dieser Hohlbirnen sprechen für sich… (Nebenbei erwähnt, sind viele der Kommentare juristisch grenzwertig bzw. womöglich strafrechtlich relevant. Daher sind auch die Quellen nicht unkenntlich gemacht worden, falls Ermittlungsbehörden diese verwenden wollten. Außerdem stammen die Screenshots aus öffentlich zugänglichen Bereichen des (a)sozialen Netzes Facebook.)

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Erschreckend ist jedoch, wie offen und enthemmt eine offensichtlich stetig steigende Zahl von Menschen sich an rechtsextremen Ressentiments mit Genuss abarbeitet.

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Evolution (im)possible – eine Buchrezession

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Etwas kurios kam diese Buchkritik zustande. Ich  ärgerte mich über einen Facebook- Beitrag in meiner Timelime, weil dieser zu einer Werbeanzeige führte, wo ein Buch zum Kauf angeboten wurde.

mementoDementsprechend äußerte ich mich auch abfällig über jenes Buch, welches die Evolution in Frage stellt. Der Verlag sendete mir daraufhin ein kostenloses Exemplar, um mir eine Meinung darüber bilden zu können. Das habe ich dann auch versucht…

Ich arbeitete mich chronologisch anhand von extrahierten Zitaten am Inhalt ab.

„Doch wenn der Genetiker Recht hatte und Mutationen niemals neue zweckgerichtete genetische Informationen erzeugten, dann wäre Evolution als die Ursache des Lebens auf der Erde ausgeschlossen und könnte unmöglich stattgefunden haben.“ (Seite 8)

Zunächst muss ich darauf hinweisen, dass ich natürlich nicht das nötige Fachwissen besitze, um komplexe biologische Abläufe über Millionen von Jahren erklären oder gar deuten zu können. Das muss man auch in vielen Fällen gar nicht. Es werden hier schlicht 2 Meinungen von Genetikern gegenüber gestellt. Beide können keine fundierten oder belegbaren Nachweise erbringen, dass jeweils ihre Beurteilung korrekt ist bzw. die korrektere wäre. Es wird allerdings einfach angenommen, jener Genetiker, der die Ansicht vertritt, dass „niemals“ aus Mutationen neue genetische Informationen entstehen könnten, Recht haben würde. Daraus entsteht die Schlussfolgerung und keinesfalls der Beweis, dass die Evolution nicht die Ursache für (neues) Leben auf diesem Planeten sein kann. Man beachte auch den stets verwendeten Konjunktiv, welcher eben einen fundierten Beweis ausschließt.

„Die Analyse- Ergebnisse aus dem staatlichen Forschungslabor in Neuseeland gaben ein Alter von 6600 Jahren an…“  (Seite 9)

Ein Blick in die Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Radiometrische_Datierung) veranschaulicht, dass diese Messmethode nicht fehlerlos sein muss und im Buchtext auf eine wissenschaftliche Redundanz der Ergebnisse nicht eingegangen wird, diese somit auch nicht zwingend durchgeführt worden sind. Gerade wenn eklatante Zweifel entstehen, wäre es doch von hohem Interesse, die Messergebnisse entsprechend zu verifizieren?

Auf Seite 10 folgt dann die Behauptung: „Die Schöpfung ist ein Akt Gottes“

Bereits die Überschrift von Kapitel 1 („Aber ist die Evolutionstheorie nicht bewiesen?“) vermittelt einen falschen Ansatz. Es handelt sich um eine Theorie, was eben keinen Beweis darstellt. Wikipedia hilft dabei erneut: „Eine Theorie ist ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben beziehungsweise zu erklären und Prognosen über die Zukunft zu erstellen.“

Es behauptet folglich niemand, dass die Evolutionstheorie Tatsachen liefert, bestenfalls plausible Erklärungen. Auch darf man die Begriffe „Evolution“ und „Evolutionstheorie“ niemals gleich setzen. Das scheint mir Dr. Ashton nicht ausreichend zu berücksichtigen.

„Aber ich habe bislang keine seriöse wissenschaftliche Ausarbeitung gefunden, welche einen belegten Mechanismus beschreibt, wie aus leblosen Molekülen eine lebende Zelle entstanden sein könnte.“ (Seite 14)

So gehen beispielsweise Verschwörungstheoretiker vor, wenn sie Zweifel an zwar allgemein anerkannten Gegebenheiten streuen möchten, aber selbst nicht in der Lage sind, den Beweis für ihre eigene Theorie liefern zu können. Man will damit die Gegenseite nötigen, ihren Beweis zu liefern, um damit die eigene Position als richtig darzustellen. Denn man weiß (hofft), dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt dieser Beweis nicht erbracht werden kann. Man darf aber als unabhängiger Betrachter zweier unterschiedlicher Ansichten nicht dieser geschickten Manipulation erliegen.

An dieser Stelle nenne ich gerne das Beispiel des Jahrhunderte alten Dogmas, die Erde sei eine Scheibe. Es war schlicht vom wissenschaftlichen Fortschritt nicht möglich, den Gegenbeweis zu erbringen. Heute werden Leute belächelt, welche immer noch glauben, dass die Erde eine Scheibe wäre, während es vor diesem Beweis genau umgekehrt war.

„Die weitverbreitete Behauptung, dass die Evolution eine bewiesene Tatsache sei, wurde nicht nur nicht bestätigt, sondern es gab im Gegenteil veröffentlichte Artikel, welche sie widerlegten.“ (Seite 15)

Der Autor folgt weiter beharrlich seiner Strategie, die eigene Position dadurch zu festigen, indem er Unstimmigkeiten in der Gegenseite offenbart. Dabei verzichtet er jedoch auf jegliche Fakten, welche die Evolution in ihrer Gesamtheit als Trugschluss der Wissenschaft entlarven. Man darf nun ebenfalls schlussfolgern, dass ihm dies nicht gelingen würde und er deswegen absichtlich darauf verzichtet.

Ich versuche an dieser Stelle als Laie einen faktisches Beispiel aus der Natur zu erläutern, was keineswegs einen Beweis für die Evolution bzw. deren Theorie liefern soll, aber zumindest den Nachweis erbringt, dass äußere Einflüsse auf ein Lebewesen, dessen Entwicklung beeinflussen können. Es gibt in Mitteleuropa den Schmetterling Araschnia levana (Landkärtchen), welchen es in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen gibt. Im Frühjahr existiert eine größtenteils orangefarbene Spezies, während im Spätsommer eine deutlich dunkler gefärbte 2. Generation aus den Eiern und Raupen der 1. Generation entsteht. Das ist abhängig von der Tageslänge und kann unter geringen Laborbedingungen ohne Eingriffe in den Organismus nachgezüchtet werden. Es genügt quasi, die Lichtbedingungen bzw. jahreszeitlichen Bedingungen nachzustellen, um die gewünschte Variante zu züchten. Diese optische Verändrung des Schmetterlings ist reproduzierbar und liefert zumindest den Beweis, dass Mutationen in der Natur vorkommen und auch durch Einflüsse in der Natur gesteuert werden.

Dr. Ashton führt selbst auf Seite 18 und 19 die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Kirschner und Prof. Gerhart auf, um eigentlich dieses kleine Experiment mit dem Schmetterling ignorieren zu können, weil zwar die Möglichkeit der Veränderung nachgewiesen werden kann, aber nicht, worin diese Möglichkeit ihren Ursprung besitzt. Bis hierin stützt sich Dr. Ashtons Gegentheorie ausschließlich auf der Nichtbelegbarkeit eines ursprünglichen Kernprozesses der Evolution. Das ist irgendwie nicht viel, dennoch erwartet er, dass man deswegen die komplette Evolution in Zweifel zieht.

Das erste Kapitel schließt mit dem Satz:

„Doch bevor wir weitere Beweise gegen die Evolution erörtern, wollen wir uns im nächsten Kapitel zunächst einmal Darwins Theorie näher anschauen.“

Hierzu wäre anzumerken, dass Dr. Ashton nicht einen einzigen Beweis gegen die Evolutionstheorie bis dahin erbracht hat. Er hat lediglich mögliche Fehler in dieser Theorie aufgegriffen, um damit plausible Schlussfolgerungen zu ziehen, welche aber keineswegs das Gegenteil, also im Prinzip die göttliche Schöpfungsgeschichte, nachweisen könnten…

In Kapitel 2 möchte ich lediglich auf eine Auffälligkeit eingehen, da dort im Prinzip nur die Evolutionstheorie nach Darwin behandelt wird, ohne tatsächlich stichhaltige Fakten für eine völlig falsche Erklärung der Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens nennen zu können.

„Wenn sich allerdings in einer 3,5 Milliarden Jahre andauernden Evolution als letzte kleine Stufe der Mensch vom Schimpansen entwickelt haben soll, würde man von der Intuition her erwarten, dass die Übereinstimmung der DNA eher 99,99% betragen müsste. 4% Unterschied sind relativ hoch und sprechen eher dafür, dass hier derselbe intelligente Designer am Werk war.“ (Seite 27)

Dr. Ashton schlussfolgert erneut, ohne selbst konkret den angeblich erkannten Fehler aufzeigen zu können. Denn eine Intuition ist alles andere als wissenschaftlich. Erstmals bringt er allerdings mit dem Begriff „Designer“ eine eigene Komponente ein. Das macht neugierig…

Auf Seite 9 wurde noch die radiometrische Datierungsmethode als vermeintlichen Nachweis gegen die Evolution eingebracht, um auf Seite 32/33 plötzlich für das Gegenteil herhalten zu müssen:

„Die Folge ist, dass radiometrische Datierungsmethoden ernsthafte Probleme aufweisen können und möglicherweise absolut „verrückte“ Phantasieresultate produzieren.“

In Kapitel 4 wird viel über Evolutionstypen erklärt und fabuliert, wobei ich zugeben muss, nicht hinreichend Expertise auf diesem Gebiet zu besitzen, um ernsthaft mitreden zu können. Für mein subtiles Verständnis ausreichend zu erfassen ist die Schlussfolgerung, dass Evolutionstyp 3 bislang nie nachgewiesen werden konnte, allerdings die Basis für die Darwin’sche Evolutionstheorie bildet.

Verstrickt man sich weniger in komplizierte Berechnungen und Plausibilitäten und nimmt weder die Evolutionstheorie noch eine andere, bislang im Buch nicht behandelte Möglichkeit der Entstehung und Veränderung von Leben als gegeben an, eröffnet dies eine objektivere Betrachtungsweise. So steht der Autor auf den Standpunkt, dass Typ 3 der Evolution nicht nachgewiesen werden kann. Da Dr. Ashton also aufgrund diverser durchgeführter Experimente der Ansicht ist, dass ein bestimmter Organismus nicht zu einem neuen mutieren kann, jedenfalls nicht durch die Evolutionstheorie erklärbar oder gar nachweisbar ist, darf man schlussfolgern, dass er eine andere Erklärung dafür hat. Aber selbst bis zur Seite 59 findet man absolut nichts dergleichen. Er hält starr an seiner These fest, dass eine fehlerbehafte Theorie zwangsläufig eine andere, vielleicht seine eigene, richtig werden lässt, ohne deren Fehler nur ansatzweise in Frage zu stellen.

In Kapitel 5 seines Buches widmet sich Dr. Ashton intensiv den mehr oder weniger wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie die Zeitachse der Erde nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen muss. Er zweifelt die Datierungen anhand von Fossilienfunde ebenso an wie die angewendete Methodik. Das mag sogar eine durchaus imposante Ungenauigkeit vermuten lassen, aber entkräftet bei weitem nicht die Evolution als solche. Störend empfinde ich bei seinen Erklärungsversuchen die Tatsache, dass er selbst Theorien anderer Wissenschaftler ausschließlich mit eigenen Theorien, welche allesamt ebenfalls keine Beweiskraft besitzen, zu entkräften versucht.

„Dieser Fund von weichem Gewebe in einem Dinosaurierfossil, das nach der geologischen Zeittafel in 80 Millionen Jahre altem Gestein gefunden wurde, ist ein stichhaltiger Beweis dafür, dass das Gestein und die Fossilien der geologischen Säule, keine Millionen Jahre alt sein können. Es ist ebenfalls ein Beweis dafür, dass die Evolution niemals stattgefunden hat.“ (Seite 86)

Endlich kommt Dr. Ashton zur Sache und entlarvt sich damit selbst. Weil ein augenscheinlicher Fehler in einem auf Schätzungen, Berechnungen und Schlussfolgerungen basierendem Modell, welches er übrigens selbst 86 Seiten lang vehement kritisiert, Erkenntnisse hervorbringt, welche kaum oder gar nicht einzuordnen sind, erklärt er damit die Evolution als gescheitert und nicht existent. Dass es allerdings all jene Fossilienfunde und Gesteinsproben gibt, scheint ihn dabei nicht zu stören. Trotzdem beschreibt er selbst diverse Lebewesen in unterschiedlichen Zeitepochen, obwohl er genau diese Dinge in Frage stellt.

„Mit anderen Worten gesagt, war einiges, was in der Literatur als Evolution gedeutet wurde, lediglich das Ergebnis davon, dass präexistente genetische Information verloren gegangen ist und nicht das Resultat von neuer genetischer Information, die irgendwie durch Zufall entstanden ist.“ (Seite 90)

In der Literatur (https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution) findet man als Definition der Evolution beispielsweise diese Aussage in der Wikipedia:

Evolution (von lateinisch evolvere „entwickeln“) ist die allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation. Zu den Forschungsgebieten der Evolutionsbiologie gehören sowohl die Evolutionsgeschichte, in der die Veränderungen der Lebewesen im Laufe der Erdgeschichte beschrieben werden, als auch die Erklärungen für die Evolution durch die Evolutionstheorien.

Dr. Ashton begeht einen elementaren Fehler, indem er pauschal auf „die Literatur“ verweist. Nicht die verschiedenen Interpretationen eines Sachverhalts sind entscheidend für dessen Korrektheit oder Fehlerquote, sondern der Sachverhalt selbst. Nimmt man die Beschreibung in der Wikipedia zum Beispiel als Maßstab für seine Behauptung, liegt Dr. Ashton erwiesenermaßen falsch. Denn es wird von Veränderungen gesprochen und keineswegs behauptet, dass neue genetische Informationen zufällig entstanden sind.

Dr. Ashton versteift sich darauf, dass Evolution unbedingt mit der Veränderung von genetischen Code zu tun haben muss. Wieso eigentlich? Allein die Anpassung an neue Lebensräume und Bedingungen könnte man bereits als Evolution betrachten. Der Mensch wird nachweislich immer größer. Der menschliche Körper wächst im Durchschnitt über die Jahrhunderte. Bleibt man einfach bei diesem Faktum, wie soll man es anders nennen als Evolution?

Auch versucht Dr. Ashton permanent anhand von diversen Lebewesen wie Haien oder Krebsen überzeugen zu wollen, dass es keine Evolution gibt, weil diese Tiere sich über Millionen Jahre hinaus quasi nicht verändert hätten. Das Beispiel des Schmetterlings greife ich gerne erneut auf, der sich in seinem Lebenszyklus, welcher unter Umständen nur wenige Wochen betragen kann, außergewöhnlichen Veränderungen unterworfen ist. Aus einer gedrungen Raupe entwickelt sich eine fast unbewegliche Puppe, woraus ein fliegendes Insekt entschlüpft. Wie könnte man den Begriff „Mutation“, welchen Dr. Ashton gerne im Zusammenhang mit einer nicht möglichen Evolution verwendet, besser darstellen? Was wäre, wenn Dr. Aston stattdessen den Begriff „Metamorphose“ verwenden würde?

In Kapitel 8 taucht Dr. Ashton schließlich und endlich in die Mythologie- und Sagenwelt ein und möchte anhand von Überlieferungen großer Flutkatastrophen tatsächlich einen wissenschaftlichen Beleg für die Schöpfungsgeschichte konstruieren. Dabei ähneln sich alle Überlieferungen aus verschiedenen Regionen nur in einem einzigen Punkt: Es gab eine große Flut und viele Lebewesen kamen darin um. Die jeweiligen Interpretationen dieser Geschichten unterscheiden sich erheblich.

„Die Geschichte aus dem alten Indien erzählt von Manu, den ein Fisch vor einer Flut warnte, welche die ganze Menschheit zerstören würde. Ihm wurde aufgetragen, ein Schiff zu bauen, welches der Fisch während der Flut an einen Landeplatz auf einem Berggipfel bringt.“

Es irritiert doch erheblich, dass Dr. Ashton bis zum Kapitel 8 penibel wissenschaftliche Schlussfolgerungen und Erkenntnisse gegenüber stellt, um Unzulänglichkeiten heraus pflücken zu können und stützt seinen Gegenbeweis auf abenteuerliche Geschichten aus Zeiten, wo man die Erde noch als Scheibe begriff und die Menschen sich ihre eigenen Gedanken über den Sinn und die Entstehung des Lebens abseits wissenschaftlicher Erkenntnisse herbei philosophierten. Wie stellt man sich die Kommunikation zwischen einem Fisch und einem Menschen vor, wo es um den Untergang der Welt geht? Auch in der biblischen Geschichte baute ein einziger Mann namens Noah mit bestenfalls wenigen Familienmitgliedern ein seetaugliches Schiff für Passagiere, die niemals auf engem Raum miteinander auskommen würden. Wie ernährten sich beispielsweise die fleischfressenden Tiere an Board über Monate? Wenn alle Lebewesen, die es damals gegeben haben soll, auf Noah’s Arche angewiesen waren, um überleben zu können, muss dieses Schiff gewaltig gewesen sein. Man könnte endlos viele Fragen stellen, wie dieses gigantische Unterfangen funktioniert haben soll und wird permanent auf Widersprüche treffen, die mit Logik, der Physik und weiteren wissenschaftlichen Aspekten nicht erklärt werden können. Gleichzeitig stört sich aber Dr. Ashton an Gesteinsschichten, die nicht wissenschaftlich korrekt datiert werden können.

„Weitere Beweise für die Glaubwürdigkeit des Sintflutberichts scheinen in den piktographischen Symbolen einer alten chinesischen Schrift erhalten geblieben zu sein.“ (Seite 126)

Dr. Ashton traut sich tatsächlich hierbei von Beweisen zu reden. Er legt großen Wert darauf, dass Vorkommnisse, also primär jene Sintflut, zeitlich sehr nahe beieinander liegen müssen. Hierbei fällt auf, dass sich aus einer geringen Zahl überlebender Menschen, explosionsartig etliche imposante Kulturen entwickelt haben, welche sich sogar quasi blitzschnell über weite Teile der Welt verbreitet haben. Im Vergleich zum Erdzeitalter (ca. 4,3 Milliarden Jahre) und der damit verbundenen Evolution, war die Entwicklung der Menschheit aus einer Handvoll überlebender Bauern zu vielen hochentwickelten Metropolen weniger als ein Augenzwinkern. Da ist tatsächlich ein starker Glaube an eine höhere Macht dringend erforderlich.

„Forscher vom Hungary Central Research Institute für Physik und die Semmelweis University für Medizin berichten ebenfalls, dass das Wachstum von Krebs verlangsamt wird oder gar ganz aufhört durch Deuteriumoxid entleertes Wasser.“ (Seite 132)        

Ob sich Dr. Ashton mit dieser Aussage vergaloppiert hat, kann ich nicht beurteilen. Er unterschlägt jedenfalls womöglich vorsätzlich, dass Deuteriumoxid (schweres Wasser) neben der möglicherweise positiven Wirkung auf Krebserkrankungen daneben grundsätzlich leicht toxisch ist und die Nebenwirkungen schlimmer sind als die mögliche Heilung von Krebs. Dennoch will er damit den Beweis für das angeblich hohe Lebensalter von vorsintflutlichen Königen und Herrschern ableiten, welche nach dem Alten Testament (Genesis) mehrere 100 Jahre alt geworden sein sollen. In anderen, nicht näher beschriebenen Überlieferungen sollen diese Könige sogar mehrere 1000 Jahre alt geworden sein. Das zwar nicht wissenschaftlich nachweisbare hohe Alter dieser etwa 8 Personen wiederum soll darauf zurückzuführen sein, dass zur damaligen Zeit schweres Wasser anstatt wie heutzutage leichtes Wasser überwiegend Bestandteil der Nahrungsaufnahme war. Und damals quoll jenes schwere Wasser tief aus der Erde empor, wenn man der Genesiserzählung glauben möchte. Verwunderlich erscheint dabei, wieso ausgerechnet und ausschließlich nur jene 8 Könige so alt geworden sein sollen und nicht die restliche Bevölkerung ebenfalls? Das scheint für Dr. Ashton auch nicht wichtig und schon gar nicht nützlich zu sein, denn er sucht damit verzweifelt nach einer Erklärung, dass die Menschen in dieser Zeit bessere Gene besessen haben sollen und will damit sogar den Nachweis erbringen, dass die DNA heute lebender Menschen überlebenswichtige Informationen verloren haben muss. Seine Thesen sind abenteuerlich und seine Beweisketten stützen sich auf fragilen Erzählungen, deren Wahrheitsgehalt nie nachgewiesen werden konnte.

„Nach modernen Messungen würde die Arche etwa 140 Meter lang, 23 Meter breit und 14 Meter hoch sein. Mir wurde berichtet, dass dies sehr realistische Maße für den Schiffsbau und die Stabilität auf dem Meer sind.“ (Seite 133)

Wer berichtete Dr. Ashton, dass diese Maße für den Schiffsbau für damalige Verhältnisse realistisch sein sollen? Das wäre eine wichtige Erkenntnis, allerdings müssen sich die Leser mit dieser vagen Aussage zufrieden geben. Recherchiert man jedoch nach, erscheint diese Aussage erneut abenteuerlich. Das bisher größte antike Schiffswrack, welches man vor der griechischen Insel Antikythera gefunden hatte, soll mehr als 2000 Jahre alt sein und beachtliche 50 Meter lang gewesen sein. Im Vergleich zu Noah’s Arche wäre es dennoch ein Winzling gewesen. Darüber hinaus darf man davon ausgehen, dass dieses Schiff von vielen Handwerkern und Konstrukteuren gebaut wurde, während Noah auf eine geringere und weniger qualifizierte Arbeiterschaft vertraut haben musste…

Übrigens wird gar nicht in Abrede gestellt, dass es keine Sintflut in der Antike oder noch früher gegeben haben könnte und die mögliche Entstehung des Schwarzen Meeres deutet sogar darauf hin. Die Naturkatastrophe, falls es sie gegeben haben sollte, muss gewaltig gewesen sein, aber hätte dennoch nicht ausgereicht, um global alles Leben auszulöschen. Außerdem hätte ein solches Ereignis schlimmstenfalls regionalen Einfluss auf die Evolution, wie man es auch beim Kontinent Australien beobachten kann.

Kapitel 9 von Dr. Ashton’s Pamphlet gegen die Evolution kann eigentlich vernachlässigt werden. Er wiederholt Aussagen aus vorherigen Kapiteln und schlussfolgert anhand von nicht existierenden Beweisen, dass die Erde deutlich jünger sein muss als es geologisch weitgehend wissenschaftlich anerkannt ist.

In Kapitel 10 hält er sich erneut mit radiometrischen Datierungsmethoden auf, welche nur dann als korrekt von ihm anerkannt werden, wenn sie in sein Konzept passen, aber falsch sein müssen, wenn sie nur ansatzweise die Evolution stützen. Gestein und Gesteinsschichten faszinieren ihn offensichtlich. Dr. Ashton fällt wieder ins alte Strategiemuster zurück, anhand von Ungenauigkeiten bei Messungen und Datierungen die Evolution in Frage zu stellen, anstatt seine eigene Theorie nachweisen zu wollen.

In Kapitel 11 widmet sich Dr. Ashton speziell der Urknalltheorie. Darüber darf man durchaus geteilter Meinung sein, denn es ist fürwahr ein abenteuerlicher Erklärungsversuch, wie das Universum entstanden sein soll. Es ist und bleibt eine Theorie und niemand stellt die kühne Behauptung auf, dass das Universum so entstanden sein muss. Demgegenüber gibt es ja zum Beispiel auch die Schöpfungsgeschichte, wo ein Gott in 7 Tagen die Welt erschaffen haben soll. Man könnte auch nüchtern attestieren, dass niemand wirklich weiß, wie das Universum entstanden ist, aber sich einige Leute den Kopf darüber zerbrechen und gerne eine Erklärung bieten möchten. Die Evolution selbst ist von der Urknalltheorie weit entfernt und sollte nicht kausal damit verbunden werden. Das allerdings versucht Dr. Ashton, um der Evolution einen möglichen Anfang zu entziehen.

In Kapitel 12 stellt Dr. Ashton einige Wissenschaftler vor, deren Forschungen und Experimente viele Thesen der Evolutionstheorie und wissenschaftliche Hypothesen in Frage stellen. Dennoch beweisen all diese Wissenschaftler im Gegenzug nicht die Richtigkeit der Schöpfungstheorie. Nicht ansatzweise liefern diese Wissenschaftler Nachweise über die Richtigkeit der Schöpfungsgeschichte. Nicht einmal erhöhen sie deren Wahrscheinlichkeit gegenüber der Evolution. Dr. Ashton folgt ausschließlich dem Prinzip, dass eine fehlende Beweisbarkeit auf der einen Seite den Beweis liefern würde, dass die andere Seite der Wahrheit entspricht. Das ist jedoch die Strategie, womit Verschwörungstheoretiker ihre Anhänger rekrutieren.

„Die klare Schlussfolgerung ist, dass symbolische Information oder Sprache eine Kategorie der Realität darstellt, die unabhängig von Materie oder Energie ist.“ (Seite 184)

Diese Behauptung ist meines Erachtens vollkommen falsch. Die Interpretation von Dr. Ashton ist es auf jeden Fall. Um hörbare Sprache erzeugen zu können, erfordert es Energie. Das dürfte wissenschaftlich unbestritten sein. Informationen sind die Deutungen von Gegebenheiten oder entwickelten Mustern. Und jede Informationsverarbeitung, ob im Gehirn oder maschinell erfordert ebenfalls Energie.

Bemerkenswert bis tollkühn sind Dr. Ashtons Thesen in Kapitel 13, wo er einen angeblichen Traum des babylonischen Herrschers Nebukadnezars als Basis für den vorbestimmten Lauf der Geschichte durch einen Gott beschreibt. Er verzichtet dabei vollkommen auf jegliche wissenschaftliche Analyseverfahren, welche zuvor noch so wichtig für die angebliche Widerlegung der Evolution waren. Seine historische Exkursion entfernt sich dabei von der Naturwissenschaft, welche plötzlich keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Stimmen im Kopf von Jeanne d’Arc müssen inzwischen für die Existenz eines Gottes herhalten. Es gibt so manche Serienkiller und paranoide Gestalten, welche sich ebenfalls von angeblichen Stimmen im Kopf leiten ließen. War in deren Köpfen nun der Teufel am Werk? Das Niveau des Buches hat rapide nachgelassen. Was in menschlichen Gehirnen vor sich geht ist mindestens genauso unerklärlich wie die Entstehung der Welt und des Lebens. Es ist auch fast eine Gesetzmäßigkeit, dass irgendwelche Menschen sich dazu berufen fühlen Unerklärliches bzw. Unerforschtes erklären zu wollen. Daraus entwickeln sich Theorien.

„Dennoch liefert die Existenz einer übernatürlichen Intelligenz, eines Schöpfergottes, der unabhängig ist von Raum und Zeit, eine sinnvolle Erklärung für unsere Existenz.“ (Seite 209)

Dr. Ashton vernachlässigt jegliche Beweisführung über die Existenz dieser übernatürlichen Intelligenz und stellt es einfach als Faktum hin, weil er zu jenen Leuten gehört, die nach Erklärungen für eben jene Dinge suchen, die nicht bzw. noch nicht wissenschaftlich erklärbar sind und flüchtet sich in den Glauben an einen Gott. Millionen von Menschen glauben an einen oder gar mehrere Götter. Erklärungsnot macht erfinderisch. Wer selbst nicht genug Phantasie besitzt, findet in diversen Religionsgemeinschaften Antworten auf die eigenen Sehnsüchte, aber eben keine Antworten auf die ursprünglichen Fragen.

„Ich glaube daran, dass wir Menschen in dem „Bilde“ dieses super intelligenten Schöpfergottes gemacht wurden.“ (Seite 216)

Mit dieser dogmatischen Aussage im letzten Abschnitt seines Buches bekennt sich Dr. Ashton als gläubiger Mensch. Das ist völlig legitim. Weniger nobel hingegen ist sein Vorgehen in diesem Buch, wie er andere Erklärungsversuche für das Leben, speziell die wissenschaftlich weitgehend anerkannte Evolution regelrecht bestreitet. Fundierte Gegenbeweise könnte er dabei nicht liefern. Stattdessen basiert sein komplettes Werk auf mehr oder weniger plausibel klingenden Schlussfolgerungen basierend auf hypothetischen Aussagen.

Im Anhang (Seite 218) datiert Dr. Ashton die Schöpfung, also somit die Entstehung der Welt auf etwa das Jahr 3959 vor Christus. Das ist eine ambitionierte Aussage, denn nicht einmal der genaue Geburts- bzw. Todestag von Jesus Christus kann eindeutig datiert werden. Gleichzeitig an Datierungen im Bereich von Milliarden von Jahren Kritik zu üben, erfordert schon ein hohes Maß an Arroganz. Und selbst wenn die Evolution 2 Milliarden Jahre später begonnen hätte und die Datierungsfehler so vehement wären, würde man noch lange nicht bei etwa 4000 Jahren v. Chr. ankommen. Dinosaurier hätte es dieser Theorie zufolge gar nicht gegeben und die Fossilen wurden zur Verwirrung von Geologen und Paläontologen von jenem Schöpfergott in den Gesteinsschichten deponiert. Demnach müsste auch etwa um 4000 v.Chr. die Artenvielfalt auf dem Maximum gewesen sein und seitdem sind Lebewesen nur noch ausgestorben. Das Mammut existierte demnach nie und es gab auch keine Neandertaler, Säbelzahnkatzen und viele andere Lebewesen, von denen es faktische Nachweise gibt.

Das Pamphlet des Dr. Ashton kann recht schnell als krude Verschwörungstheorie entlarvt werden. Er kann nicht einen einzigen Beweis für seine Theorie für die Existenz eines sogenannten Schöpfergottes liefern. Deswegen besitzt die Evolution und die darauf aufbauende Evolutionstheorie mindestens die gleiche Daseinsberechtigung wie jene utopische Schöpfungsgeschichte, welche weit größere Widersprüche erkennen lässt.

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Baron von Münchhausen versus Pinocchio

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Ein eher unbedeutender Zwischenfall im sächsischen Arnsdorf veranschaulicht, wie unterschiedlich Medien faktisch nachweisbare Geschehnisse nach eigener Gesinnung interpretieren. Ein als psychisch kranker Asylbewerber stiftet Unruhe in einer Netto- Filiale. Der Iraker konnte aufgrund von Sprachproblemen offenkundig ein Problem mit einer dort gekauften SIM- Karte nicht artikulieren. Demgegenüber konnte die Mitarbeiterin des Einkaufsmarktes das Problem des Mannes nicht zu dessen Zufriedenheit lösen. Womöglich war das Guthaben der SIM- Karte bereits aufgebraucht und die Angestellten des Einkaufsmarktes versuchten den Asylbewerber zum Verlassen des Ladens bewegen. Es muss bereits der dritte Anlauf des Irakers gewesen sein und er wurde von der Polizei schon zweimal zurück in die ortsansässige Klinik gebracht. Die Situation war angespannt und der Iraker wollte eine Flasche, die er in der linken Hand hielt, trotz Aufforderung nicht ins Regal zurück stellen. Plötzlich stürmte eine Gruppe Männer zielsicher auf den Asylbewerber zu und überwältigen diesen unter Anwendung von körperlicher Gewalt. Die 4 Personen sollen zu einer selbsternannten Bürgerwehr gehören, was aus der Aussage einer Kundin und den Aufdrucken auf deren T- Shirts hervorging. Die Männer fesselten anschließend den Iraker mit Kabelbindern an einen Baum, um nach eigenen Aussagen dessen Flucht zu verhindern.

Dieser Artikel soll nun weniger die juristischen Aspekte des Vorfalls behandeln, sondern vergleicht die Berichterstattung diverser Medien. Da ein Videomitschnitt des Vorfalls existiert, besitzt man die seltene Gelegenheit, die jeweilige Berichterstattung möglichst objektiv vergleichen zu können, sofern man dazu in der Lage ist bzw. das überhaupt möchte. Die Überschriften verschiedener Nachrichtenportale lassen schon erkennen, ob und wie manipulativ der Artikel dahinter sein wird.

Männer vertreiben Asylbewerber aus Supermarkt und binden ihn an Baum (Quelle: https://mopo24.de/nachrichten/arnsdorf-netto-supermarkt-iraker-asylbewerber-bedrohen-kabelbinder-festbinden-69243)

Bürgerwehr geht auf kranken Flüchtling los (Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/arnsdorf-in-sachsen-buergerwehr-geht-auf-kranken-fluechtling-los-a-1095388.html)

Flüchtling randaliert in Supermarkt (Quelle: http://www.pi-news.net/2016/06/arnsdorf-fluechtling-randaliert-in-supermarkt/)

Angebliche Bürgerwehr greift Asylbewerber an (Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/arnsdorf-sachsen-fluechtling-buergerwehr-supermarkt)

Sächsische Bürgerwehr quält psychisch kranken Flüchtling (Quelle: http://www.stern.de/panorama/stern-crime/saechsische-buergerwehr-quaelt-psychisch-kranken-fluechtling-6881128.html)

Flüchtling im Supermarkt von Bürgerwehr aus dem Laden geworfen (Quelle: https://politikstube.com/arnsdorf-fluechtling-im-supermarkt-von-buergerwehr-aus-dem-laden-geworfen/)

Unschwer erkennt der geübte Leser, dass gewisse Tendenzen nicht zu leugnen sind. Zugegebenermaßen ist das Video nicht von bester Qualität, aber gewisse Sachverhalte lassen sich nicht leugnen.

Der Bedrohung mit der Weinflasche vorausgegangen war der Fakt, dass der Mann zuvor bereits zwei Mal im Netto erschienen war… Anschließend war der Mann so in Rage, dass er sich die Weinflasche schnappte und die Mitarbeiterin bedroht haben soll.

Es gibt nicht den geringsten Hinweis auf eine Bedrohungslage in der hier geschilderten Form. Schlimmstenfalls könnte man besorgt darüber sein, dass jemand, der sich in Aufregung befindet, eine Flasche in der Hand hält. Die Schlussfolgerung, dass der Iraker diese Flasche als Waffe einsetzen könnte, ist abenteuerlich, allerdings nicht völlig unwahrscheinlich. Aber er hat die Mitarbeiterin zu keinem Zeitpunkt mit der Flasche bedroht. Ob eine verbale Bedrohung vorlag, kann wegen den offensichtlich beidseitigen Verständigungsproblemen nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Das rechtspopulistisch angehauchte Online- Magazin PI- News will sogar einen Diebstahl erkannt haben.

Ein gestern veröffentlichtes Video zeigt einen „Flüchtling“ in Arnsdorf (Sachsen), der beim Klauen zweier (Wein?)Flaschen in einem Netto-Supermarkt erwischt wurde.

Der Iraker befindet sich innerhalb des Netto- Marktes hinter der Kassenzone. Er hat weder die Flasche(n) eingesteckt noch ist aus der Situation zu schließen, dass er den Wein (?) stehlen wollte.

Schließlich kommen drei kräftige Männer einer Lokalen Bürgerwehr, nehmen dem „Flüchtling“ die Flaschen ab und eskortieren ihn nach draußen. Kurz vor dem Verlassen des Supermarktes will sich der Ladendieb losreißen und versucht gewalttätig zu werden. 

Die Darstellung des Vorfalls aus Sicht von PI- News verharmlost das durchaus vehemente Einschreiten jener Bürgerwehr und stellt den Iraker als gewalttätigen Ladendieb dar. Offensichtlicher kann man gar nicht mehr lügen…

Das Magazin „Der Stern“ übertreibt hingegen in die andere Richtung:

Es ist eine weitere Geschichte aus Sachsen, die einen erschreckenden Umgang mit Flüchtlingen dokumentiert: Im sächsischen Arnsdorf haben mehrere Männer einen Asylbewerber geschlagen, gewaltsam aus einem Supermarkt getragen und an einen Baum gefesselt.

In deren Auslegung der Geschehnisse wird der Eindruck vermittelt, als würde in Sachsen unverhohlen Lynchjustiz an unschuldigen Asylbewerbern betrieben. Auch diese Darstellung entspricht nicht den Tatsachen. Das Vorgehen der 3 oder 4 Männer, die den Iraker ohne vorherige Deeskalationsversuche gewaltsam überwältigten, war in dieser Form unangemessen.

Es ist ein beeindruckendes Paradebeispiel, wie manipulativ allein die Schlagzeilen wirken können, wenn man nicht die Möglichkeit besitzt, sich selbst ein Bild von den Vorkommnissen zu machen.

Den sprichwörtlichen „Vogel“ schießt allerdings der selbsternannte Oberpatriot der Retter des christlichen Abendlandes, Lutz Bachmann, ab.

LutzBachmannAusgerechnet jener Herr Bachmann, der keine Gelegenheit auslässt, alle ihm nicht gewogenen Medienvertreter als Lügenpresse zu beschimpfen, bedient sich ungeniert der falschen Behauptungen.

LutzBachmann2Seine Anhänger aus dem PEGIDA– Umfeld klatschen verbal Beifall und überschlagen sich quasi mit rassistischen Äußerungen und Pöbeleien.

Sie merken nicht einmal, wie sie sich selbst entlarven…

 

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Viel Milch wenig Kakao und vollkommen bekloppt!

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Eigentlich war es vom italienischen Süßwarenhersteller Ferrero eine geniale Marketing- Kampagne, die kindlichen Konterfeis von deutschen Nationalspielern auf den Packungen einer Europameisterschafts- Edition der Kinderschokolade zu drucken.

Kinderschokolade_Pegida01Dass die deutsche Fussball- Nationalmannschaft auch etliche Spieler mit Migrationshintergrund einsetzt und diese Sonderedition einzig der Europameisterschaft in Frankreich gewidmet wurde, schien den Rassisten von Pegida entgangen zu sein oder es war ihnen womöglich sogar egal.

Man echauffierte sich ungeschminkt über eine Tafel Schokolade, deren Gestaltung den Deutschesten unter den Deutschen nicht mehr genehm erschien.

Kinderschokolade_Pegida03Kinderschokolade_Pegida02Kinderschokolade_Pegida04In den Medien und sozialen Netzwerken bleibt ein solcher Faux Pas selten ungestraft. Neben Empörung gab es auch jede Menge Häme für die notorischen Hetzer aus dem rechtspopulistischen Spektrum.

In der Folge sorgte schließlich noch der Vize- Bundesvorsitzende der AFD, Alexander Gauland mit seinem Nachbarschafts- Fernduell mit Nationalverteidiger Jerome Boateng für mediale Entrüstung.

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

(Zitat: Alexander Gauland gegenüber der F.A.Z.)

Eigentlich sollte man denken, dieser Gaul sei totgeritten, doch die Protagonisten aus der Rassistenkolchose werden augenscheinlich nicht müde, die eigene Blamage plakativ am Leben zu erhalten.

Kinderschokolade_Review01Das wilde Vermischen des längst überführten Rassismus mit völkischen Ideologien und Verschwörungstheorien (BRD GmbH) darf man geradezu als Potpourrie der Dämlichkeiten begreifen.

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Das Milchmädchen macht die Rechnung

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Die Preise für Milch sind massiv gesunken, dass ein Liter der nahrhaften Flüssigkeit mancherorts weniger als 50 Cent kostet, also der Erlös für die Bauern weniger wert zu sein scheint, als das Pfand einer leeren Flasche. Irgendwie schauderhaft skurril.

http://de.freepik.com/index.php?goto=41&idd=645890&url=aHR0cDovL3d3dy5zeGMuaHUvcGhvdG8vMTM0MzYzOQ==

Quelle: Freepic.com (Roberto Burgos S.)

Etwa 20 Cent bekommt ein Landwirt derzeit noch für einen Liter Milch als Erlös für eine Menge Arbeit, diese Milch produzieren zu können.

Gründe für das Dilemma scheint es viele zu geben. Das Handelsembargo gegenüber Russland sowie die geringe Nachfrage aus China werden maßgeblich verantwortlich dafür gemacht. Ebenso ist offensichtlich die Milchproduktion in den USA und in Neuseeland eine zusätzliche Belastung. Selbst die bereits vor einem Jahr in der EU ausgelaufene Milch- Quote soll  Auswirkungen zeigen. Das klingt alles plausibel und die Bundesregierung, speziell das CSU geführte Agrarministerium, will mit Subventionen gegensteuern.

Bereits im Vorfeld wird eine solche Maßnahme gerechtfertigt, indem man auf Subventionen für Elektro- Autos sehr offensiv verwies und durchaus ein direkter Zusammenhang besteht. Man darf es als einen jener faulen Deals unter Politikern unterschiedlicher Ressorts verstehen. Es ist aber genau so wenig eine Lösung, den Milchbauern temporär Steuererleichterungen zu gewähren wie es eine Lösung für eine verkorkste Elektromobilität ist, mit falschen Anreizen das gesteckte Ziel zwar nicht mehr zu erreichen, aber wenigstens aus der Ferne die Ziellinie erblicken zu können.

Die Milchquotenregelung stammt noch aus den 80er Jahren und wurde damals symbolisch wie faktisch mit den sogenannten Butterbergen skizziert. Eine Spirale begann sich irrwitzig zu drehen. Eine Überproduktion an Milchprodukten ließ den Markt kollabieren, denn unaufhörlich wurde die Produktionsmenge erhöht, um über die Menge Erlöse zu erwirtschaften. Die Quote sollte regulierend wirken, hatte aber auch zur Folge, dass viele Betriebe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten konnten und schließlich aufgaben.

Ein Paradoxon wird mit einer Milchsubvention geschaffen, indem der Preis damit niedrig bleiben kann, den Bauern vorübergehend vielleicht die Existenz ermöglicht wird und die Verbraucher letztendlich die Milch doch teurer bezahlen, zwar nicht direkt aus dem Geldbeutel an der Supermarktkasse, allerdings über die Steuern, die sie an den Staat entrichten müssen.

Das eigentliche Problem der Misere ist jedoch die Industrialisierung der Milchproduktion mit immer mehr hochgezüchteten Tieren, deren Belastbarkeitsgrenze augenscheinlich ignoriert wird. Glückliche Kühe gibt es nur noch in der Werbung und auf Höfen, die längst nicht mehr konkurrenzfähig sind. Sogenannte Turbokühe produzieren im Jahr etwa 10000 Liter Milch und zollen diesem Druck Tribut, indem sie öfters dadurch krank werden und ohnehin eine geringere Lebenserwartung haben. Um solche Leistungen erbringen zu können, bekommen die Tiere spezielles Kraftfutter.

Wenn eine Subvention dauerhaft Wirkung zeigen soll, muss diese genau an dieser Stelle ansetzen. Landwirte, die dafür Sorge tragen, dass es jene glücklichen Kühe, die friedlich auf der Weide grasen, tatsächlich gibt, sollten subventioniert werden. Es muss ein Anreiz geschaffen werden, diesen Wahnsinn zu stoppen.

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Glyphosat endlich mit Erdbeergeschmack

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Wenn die WHO (Weltgesundheitsorganisation) erklärt, dass das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend sein soll, steht somit einer Weiterverwendung und Genehmigung von Seiten des EU- Parlaments nichts mehr im Weg…

roundupDass noch bis neulich eben jene WHO zu einem gegenteiligen Ergebnis gekommen ist, führt zu Irritationen. Jeweils beide Studien konnten ihre finalen Aussagen nicht faktisch nachweisen und besitzen eine ordentliche Portion Wahrscheinlichkeit in ihrer Beurteilung.

Im umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) findet man quasi diese Positionierung auch, und zwar in der Betrachtung von Unbedenklichkeit bei Lebensmitteln und Medikamenten. Während die Amerikaner nach dem sogenannten Toxic Substances Control Act verfahren, halten sich die Europäer an die REACH-Gesetzgebung.

Das bedeutet, dass in Europa zunächst der Schutz von Gesundheit und Umwelt gewährleistet werden muss, indem ein Hersteller von Produkten die Unbedenklichkeit selbiger nachweisen muss. In den USA hingegen muss eine staatliche Aufsichtsbehörde die Schädlichkeit eines Produktes nachweisen, bevor dessen Verwendung beschränkt oder verboten werden kann. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie weit die Standards voneinander entfernt sind…

Ob nun Glyphosat, welches z.B. von Monsanto unter dem Label Roundup vertrieben wird, unbedenklich für Mensch und Natur ist, bleibt irgendwie ungeklärt. Deswegen lohnt sich ein Blick in die Gebrauchsanweisung jenes Produktes:

Behandelten Aufwuchs (Abraum vor der Neueinsaat) weder zur Kleintierfütterung noch zur Kleintierhaltung verwenden.

Warum man das nicht tun soll, bleibt allerdings ohne Erklärung…

Die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel ist verboten auf: 1. nicht versiegelten Flächen, die mit Schlacke, Splitt, Kies und ähnlichen Materialien befestigt sind (Wege, Plätze und sonstiges Nichtkulturland), von denen die Gefahr einer unmittelbaren oder mittelbaren Abschwemmung in Gewässer oder Kanalisation, Drainagen, Straßenabläufe sowie Regen und Schmutzwasserkanäle besteht, es sei denn, die zuständige Behörde schreibt mit der Genehmigung ein Anwendungsverfahren vor, mit dem sichergestellt ist, dass die Gefahr der Abschwemmung nicht besteht.

2. oder unmittelbar an Flächen, die mit Beton, Bitumen, Pflaster, Platten und ähnlichen Materialien versiegelt sind (Wege, Plätze und sonstiges Nichtkulturland), von denen die Gefahr einer unmittelbaren oder mittelbaren Abschwemmung in Gewässer oder Kanalisation, Drainagen, Straßenabläufe sowie Regen- und Schmutzwasserkanäle besteht, es sei denn, die zuständige Behörde schreibt mit der Genehmigung ein Anwendungsverfahren vor, mit dem sichergestellt ist, dass die Gefahr der Abschwemmung nicht besteht.

Irgendwie klingen diese Einschränkungen für einen angeblich unbedenklichen Einsatz nicht vertrauenserweckend. Zwar ist nicht die Rede von einer möglichen Krebsgefahr, aber immerhin von einer Gefährdung, welche nicht näher erläutert wird. Das klingt fast, als brauche man sich nicht vor anderen Nebenwirkungen zu fürchten, wenn der schlimmste anzunehmende Fall nicht nachgewiesen werden kann. Das beruhigt ungemein, auch wenn Durchfall zum Dauerzustand wird…

Fakt ist auch, dass Glyphosat in Lebensmitteln nachgewiesen wurde. Es gerät also definitiv in den Nahrungskreislauf. Das kann aber nicht so schlimm sein, denn Gift in geringen Mengen tötet schleichend und nicht plötzlich…

In seiner Anwendung soll Glyphosat zuverlässig auch hartnäckige Pflanzen wie Brenneseln und Löwenzahn vernichten, welche ja bekanntermaßen als extrem robust gelten. Das macht nachdenklich. Denn wenn solche hoch widerstandsfähigen Pflanzen in die Knie gezwungen werden, muss man sich fragen, wieso dem gegenüber empfindliche Organismen wie z.B. der menschliche Körper keinen Schaden erleiden sollen?

Skurril dürfte hierbei der Umstand sein, dass eben jene WHO jüngst die Wurst als krebserregend klassifizierte und diese somit bedenklicher in der Hierarchie krebsfördernder Substanzen ist als der Unkrautvernichter. Was spricht also dagegen, Glyphosat gleich als Energiedrink für eine ausgewogene Darmflora mit Erdbeergeschmack anzubieten…?

Anmerkung: Selbst wenn Glyphosat nicht mehr zugelassen werden sollte, ist die Gefahr keineswegs gebannt. Denn solange es Ersatzprodukte gibt, welche womöglich schlimmere Auswirkungen auf Mensch und Natur entfalten und stattdessen eingesetzt werden dürfen, ist ein Verbot reine Makulatur.

 

 

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Wie entsteht Sozialneid?

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Neid ist zweifelsohne eine Charakterschwäche, deren Auswirkungen im Umfeld der Betroffenen eher unbemerkt bleiben. Umso heftiger entladen sich die Aggressionen auf vermeintliche als auch tatsächliche Benachteiligungen an anderer Stelle. Besonders auffällig wird es in sogenannten sozialen Netzwerken wie Facebook, wenn derlei Ursachen die ungebremste Wirkung darauf entfalten lassen.

Ein überaus geeignetes Bespiel liefert der Fall einer afghanischen Familie in Österreich. Bereits die Schlagzeile in der Krone- Zeitung befeuert die Debatte:

Afghanisches Paar kassiert 5682 € für Großfamilie

Nach der österreichischen Sozialgesetzgebung erhält die Familie tatsächlich für zwei Erwachsene und sieben minderjährige Kinder monatlich 2840,04 Euro. Hinzu kommen für zwei volljährige Kinder 837,76 Euro. Weitere 2004,80 Euro an Familienbeihilfe erhält die Familie für 2 von 9 Kindern wegen deren Behinderung.

Als sei das nicht schon genug Stoff für Empörung, hegt die Mutter offenkundig einen weiteren Kinderwunsch, was allerdings nur noch per künstlicher Befruchtung möglich sein wird. Für sämtliche Voruntersuchungen wie Ultraschalluntersuchung, Ambulanzbesuche, tägliche Blutabnahmen, Untersuchung der Samenqualität, gynäkologische Tests usw. übernimmt die Krankenkasse die Kosten.  Nur die Kosten für die In- vitro Fertilisation muss die Mutter aus Altersgründen selbst tragen.

Da kann einem braven Arbeitnehmer, der die Darlehn für sein kleines Eigenheim noch Jahrzehnte bedienen muss und sich deswegen keinen Luxus leisten kann, die sprichwörtliche Hutschnur hochgehen. Mehr als 2 Kinder fanden ohnehin in der Familienplanung keinen Platz, weil selbiger den Traum vom beschaulichen Eigenheim hätte finanziell platzen lassen.

Es treffen hierbei 2 gegensätzliche Lebensmodelle aufeinander, welche bei den meisten Betrachtern auf Unverständnis stoßen werden. Es gilt nicht ausschließlich in arabischen Ländern als Statussymbol für Anerkennung und Reichtum, viele Kinder zu haben. Doch der Verstand und die Vernunft sollten über derartige Auswüchse siegen und sei das Verlangen nach Kindern noch so groß. Die fehlende Verhütung spielt gelegentlich auch eine Rolle, aber in diesem Fall ganz sicher nicht. Anerkennung wird die Familie ohnehin in dieser Gesellschaft dafür nicht ernten und Reichtum, abgesehen von der beachtlich hohen Zahl des Nachwuchses, wird in Mitteleuropa  anders definiert.

Der gern beschriebene und oft kritisierte Integrationswille von Migranten erhält hiermit eine völlig neue Betrachtungsweise. Sofern man von einem Fehlverhalten ausgehen möchte, wird dieses ja geradezu von der Sozialgesetzgebung befördert. Denn auch eine einheimische Familie könnte diese Leistungen völlig legal in Anspruch nehmen. Es besteht also kein Grund, deswegen fremdenfeindliche Gelüste zu empfinden.

Eine moralische Verantwortung darf man jedoch von Empfängern staatlicher Unterstützung erwarten, denn es gehört im Kulturkreis, wo solche Sozialleistungen zum Standard einer Gesellschaft gehören, zum Selbstverständnis, dass man das unterstützende soziale Umfeld nicht übermäßig ausbeutet und dauerhaft das Ziel verfolgt, von der Nehmer- auf die Geberseite wechseln zu können. Wer unterhalb der Grenze zum statistisch definierten Reichtum sein Dasein fristet, fühlt sich zurecht diskriminiert, wenn Leistung und Arbeit letztendlich zum gleichen Ziel führen als hätte man sein Leben lang auf Staatskosten relativ erträglich dahin vegetiert. Und am Ende warte sowieso die Altersarmut…

Während in Afghanistan womöglich die Großfamilie als Lebensmodell zukunftssichernd sein mag, so ist das nicht in Ländern mit solidarischen Sozialsystemen übertragbar und führt schlimmstenfalls zu deren Kollaps. Aber 10 Kinder müssen auch irgendwie in Afghanistan versorgt werden, wo der Staat nicht üppig den Unterhalt bereitstellt. Böse Zungen unterstellen daher gar nicht so abwegig, dass solche Leute eher Wirtschafts- als Kriegsflüchtlinge repräsentieren.

Es handelt sich nach wie vor um einen zugegebenermaßen kuriosen Einzelfall, welcher allerdings verhängnisvolle Reaktionen auslösen kann. Nicht ohne Grund gibt es Überlegungen, die Anreize der Sozialsysteme zu beschränken. Die Kapazitäten der Sozialsysteme sind nicht unbegrenzt und die Solidargemeinschaft muss die Mittel mit immer höherem Aufwand erwirtschaften. Je mehr Migranten hinzukommen, wovon nur ein Bruchteil nach Jahren selbst als Steuerzahler das Sozialsystem mitfinanzieren wird, müssen Maßnahmen wie beispielsweise eine Geburtenkontrolle zumindest auf freiwilliger Basis die Überlastung ausbremsen. Gelingt das nicht, bleibt es nicht aus, dass die Sozialleistungen gekürzt werden müssen. Das Argument, dass die Arbeitgeber händeringend nach Arbeitskräften verlangen, ist hoffentlich als scheinheiliges Druckmittel für den Konkurrenzkampf auf dem Niedriglohnsektor entlarvt worden.

Das Sozialamt der Welt, wie in gewissen Kreisen Länder wie Deutschland und Österreich abfällig beschrieben werden, wirkt augenscheinlich wie ein Magnet auf Menschen, die im Elend und ohne jegliche Perspektive in allen Teilen dieser Welt leben, die seit Jahrhunderten von den Industrienationen ausgebeutet wurden. Unsere so vorbildlichen Sozialsysteme wurden nicht selten auf dem Rücken derer errichtet, die nun hoffnungsvoll auf den Luxus einer quasi anderen Welt blicken.

Das eigentliche Problem dieser Welt ist seit je her das immer größer werdende Gefälle zwischen arm und reich. Eine winzige Elite der Menschheit besitzt annährend alle Ressourcen, in welcher Form auch immer. Diese weigern sich beharrlich wie erfolgreich, etwas von ihrem Reichtum abzugeben und werden von der Gier angetrieben, noch mehr zu besitzen. Dabei würden all die reichen und mächtigen Leute nicht einmal arm werden, wenn sie den Rest der Welt aus dem Elend befreien würden. So viele Probleme würden sich dann sogar von selbst lösen. Es fehlt einzig der Wille oder ist es eher eine bizarre Form von Neid?

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Apple präsentiert neues Firmenlogo

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Der Imagewechsel eines Unternehmens wird oft durch ein neues Firmenlogo angekündigt. Gerüchten zufolge wollte die Edelmarke Apple schon seit längerem das eigene Portfolio ausweiten. Nicht ganz sicher ist jedoch, welche Geschäftsfelder neben der IT- Branche zukünftig auch von Apple repräsentiert werden.

Copyright by Apple Inc.

Copyright by Apple Inc.

Insider vermuten, dass noch im laufenden Jahr 2016 das iCar in der Automobilindustrie im Bereich Elektromobilität den Markt bereichern wird. Das Fahrzeug soll lediglich 2 Fahrgäste befördern können und dabei komplett per iPhone bzw. iPad zu bedienen sein. Die entsprechende App mit Namen iCarCockpit steht pünktlich zum 40. Geburtstag des Unternehmens kostenlos im AppStore als Beta- Version zum Download bereit.

Um dem bildlich „angefressenen“ Image entgegen zu wirken, hat man deshalb die Bisspuren im Firmenlogo beseitigt.

Auszug aus Pressemeldung vom 1. April 2016, Cupertino, CA

 

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Wenn Hass den Verstand auffrisst…

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Ein schockierendes Bild kursiert durch die (a)sozialen Netze und sorgt mächtig für Empörung, ja erzeugt sogar Hass gegenüber dem Täter. Dabei wird dieses Bild in den meisten Fällen für rassistische und rechtspopulistische Propaganda gegen Flüchtlinge bzw. generell gegen Muslime instrumentalisiert.

JamunYadav

Quelle: bufale-net

Das Bild stammt bereits aus dem Jahr 2009. Es zeigt den Inder Jamun Yadav bei seiner umstrittenen Heilmethode gegen Entzündungen und Halsschmerzen. Das Bild wirkt verstörend und etliche Kinder, die der Scharlatan behandelte, trugen zum Teil schwere Verletzungen davon.

Der damals 50 Jährige behauptete, göttliche Energie mit seinen Füßen in die Körper der Kinder übertragen zu können, um so diverse Krankheiten heilen zu können. Bei den Eltern der Kinder, die auf diese Heilpraktiken vertrauten, handelte es sich wie beim Heiler selbst ausschließlich um Anhänger des Hinduismus. Noch im gleichen Jahr wurde der Scharlatan von der Polizei festgenommen…

Wer diese verstörenden Bilder aus dem Zusammenhang reißt und damit Hetze gegen Muslime und Flüchtlinge betreibt, ist nicht besser als jener Quacksalber aus Indien. Und all jene, die sich davon inspirieren lassen, den Hass und die Hetze zu verbreiten, sollten sich selbst für diese Entgleisungen schämen. Wer noch einen Funken Anstand besitzt, sollte seine Fehler mit Aufklärung über die wahren Umstände wenigstens ansatzweise eingestehen und wieder gut machen…

Noch eine Quelle

 

 

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Wenn die politische Alternative in die Sackgasse führt…

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Die Alternative für Deutschland (AfD) marschiert mit braunen Stiefeln und offenem Rassismus quer durch die Republik geradewegs in die Parlamente. Einzig mit einem bissigen Affront gegen die zugegebenermaßen desaströse Flüchtlingspolitik der Bundesregierung rekrutiert diese Partei ihre Wähler. Die einstigen Euro- Kritiker verwandelten sich in Islam- Kritiker. Der Erfolg basiert lediglich auf einer breit angelegten Hetzkampagne gegen das Establishment. Rechtsextreme, die schon immer das bestehende System als Feindbild betrachteten sowie fast alle Facetten unzufriedener Menschen konnten mit einfachen Parolen politisch eingesammelt werden. Das war nicht schwer, weil die etablierten Parteien schon lange ihre Bodenhaftung verloren hatten und die Sorgen der Menschen ignorierten.

Die AfD ist spätestens im März 2016 im Politikbetrieb angekommen. Zumindest wenn die Wähler dieser als rechtspopulistisch beschriebenen Partei den Entwurf des Grundsatzprogrammes gelesen und idealerweise verstanden hätten, könnten sie erahnen, wohin die Reise gehen sollte. Abgesehen von umfassender Kritik am Flüchtlingsmanagement der Bundesregierung erhält man von der AfD allerdings auch keine eigenen Lösungsansätze. Brisanter stellen sich diverse Passagen in diesem Pamphlet dar:

Demokratie: Volksabstimmungen. Nach Schweizer Vorbild.

Was die AfD für die Entscheidungsfindung für die gesamte Republik anstrebt, setzt diese Partei innerparteilich selbst nicht um. In der Bundessatzung der AfD §11 bekennt sich die Partei zum üblichen Delegiertensystem. Wer sich bereits mit direkter Demokratie beschäftigt hat, kennt jene organisatorische Herausforderung. Die AfD beschreitet allerdings die gleichen Wege wie die meisten etablierten Parteien auch. Eine Partizipation an politischen Prozessen innerhalb der Partei bleibt 600 Delegierten vorbehalten.

Staat: Stark in den Kernkompetenzen. Für den Bürger.

Zumindest als ambitioniert darf man diese Passage im Grundsatzprogramm bezeichnen. Dort sollen alle hoheitlichen Aufgaben, abgesehen von Innerer und äußerer Sicherheit, Justiz, Auswärtiger Beziehungen und der Finanzverwaltung privatisiert werden. Soweit neoliberal würde sich nicht einmal die FDP aus dem Fenster lehnen.

Steuern: Gerecht durch AfD-Stufentarif. Grundfreibetrag erhöhen.

Zumindest die Überschrift erinnert an ein Angebot eines Versicherungsunternehmens. So unverständlich wie Versicherungsverträge klingt auch diese Steuerreform der AfD. Die Abschaffung der kalten Progression würde ja noch bei Normalverdienern weitgehend positive Auswirkungen zeigen. Jedoch wie die AfD das verwirklichen möchte, ist verwirrend. Begriffe wie „rechtsformneutrale Besteuerung“ und „identische Ertragssteuerbelastung“ lassen vermuten, dass vorwiegend Unternehmen steuerlich entlastet werden sollen.

Familie: Keimzelle unserer Gesellschaft. Unter dem Schutz des Grundgesetzes.

Zusammengefasst will die AfD die traditionelle Familie in Form von Vater, Mutter, Kind(er) als einzig unterstützungswürdiges Familienkonzept etablieren. Alleinerziehende sowie andere Familienmodelle sollen bestenfalls geduldet werden, aber keineswegs staatliche Unterstützung erfahren. Man kann sogar herauslesen, dass die Frau wieder vermehrt für den Haushalt zuständig sein soll.

Innere Sicherheit: Polizei stärken. Strafjustiz verbessern.

Beängstigend wirkt insbesondere die Forderung, das Strafmündigkeitsalter auf 12 Jahre zu senken. Also Kinder ab diesem Alter müssen für ihre Taten mit Haftstrafen rechnen, anstatt dass die Erziehungsberechtigten die Verantwortung zu übernehmen hätten.

Untersuchungshaft für Beschuldigte von rechtswidrigen Taten soll bei dringendem Tatverdacht schon möglich sein. Das bedeutet im Umkehrschluss, die Unschuldsvermutung soll abgeschafft werden.

Auf die Programmatik zur Asylpolitik wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Kurios ist jedoch, dass die AfD einer bestimmten Religion im Grundsatzprogramm eine Passage widmet:

Islam: Gehört nicht zu Deutschland.

Der Einfluss von PEGIDA ist nicht zu leugnen. Die Passage ist jedoch hanebüchen und bietet lediglich den patriotischen Spaziergängern dieser islamfeindlichen Bewegung eine programmatische Heimat an.

Klimaschutzpolitik: Irrweg beenden. Umwelt schützen.

Kohlendioxid ist laut AfD nützlich für die Umwelt und keineswegs für den Klimawandel verantwortlich. So könnte man kurz und bündig die Klimapolitik der AfD auf das Wesentliche reduzieren.

Erneuerbare-Energien-Gesetz: Abschaffen. Nicht reformierbar.

Es würde den Rahmen sprengen, wenn man diese Passage im Grundsatzprogramm auseinander nehmen würde. Wissenschaftliche Fakten werden ignoriert und einzig die Lobbyisten von Atom- und fossiler Energieträger sollen bedient werden.

Steuerrecht: Familiensplitting ja. Erbschaft- und Gewerbesteuer nein.

Die Erbschafts- und Gewerbesteuer soll nach Auffassung der AfD ersatzlos gestrichen werden. Davon profitieren ausschließlich Unternehmen und reiche Leute. Der oft skandierte Schlachtruf „Wir sind das Volk“ verstummt an dieser Stelle jäh.

Soziale Sicherheit in Not und Alter

Das bisherige Solidaritätsprinzip soll komplett als Notsystem umfunktioniert werden. Die Altersvorsorge soll privatisiert werden. Nur in absoluten Notfällen soll der Staat eingreifen, wobei Familien mit Kindern allen anderen Lebensmodellen gegenüber deutlich bevorzugt werden sollen. Wie das detailliert funktionieren soll, erfährt man im Grundsatzprogramm der AfD nicht.

Arbeit: ALG I maßgeschneidert.

Die AfD will auch das Arbeitslosengeld 1 als staatliche Leistung abschaffen und privatisieren. Betroffene müssen sich vorher entweder etwas angespart oder eine private Vorsorge getroffen haben.

Aktivierende Grundsicherung: Arbeit, die sich lohnt. Anstatt ALG II.

Eigentlich macht diese Passage die vorherige über ALG I überflüssig. Denn jeder, wobei das nicht definiert wird, soll eine Grundsicherung erhalten. Bei Arbeitnehmern mit zusätzlichem Verdienst soll sich die Grundsicherung mit wachsendem Verdienst reduzieren. Das Modell wirkt irgendwie unausgereift.

Rente: Kinder und Erziehung berücksichtigen. Flexibilität im Alter.

Die Anzahl der Kinder und die Erziehungsjahre sollen sich positiv auf die Rentenbezüge auswirken. Wie die Rücklagen der Renten gebildet werden, bleibt ungeklärt und erscheint abenteuerlich, wenn man die Punkte zum staatlichen Sozialwesen zusammenfassend betrachtet.

Unfall: Flexiblere Lösungen finden.

Gesetzliche Unfallversicherungen sollen abgeschafft werden und durch private Angebote ersetzt werden. Auch hier lohnt sich der Blick zurück auf andere Punkte in diesem Grundsatzprogramm.

Viele staatliche Sozialleistungen sollen privatisiert werden und gleichzeitig will man eine Grundsicherung einführen. Arbeitnehmer müssen hingegen ihre Sozialvorsorge beinahe komplett allein finanzieren, sollen aber das System der Grundsicherung finanzieren. Da drängen sich Widersprüche regelrecht auf.

Pflege: Die Familie nicht länger benachteiligen.

Auch im Pflegebereich soll weitgehend die Familie selbstverantwortlich Pflegebedürftige versorgen. Die Widersprüche im Grundsatzprogramm werden immer eklatanter. Nach der Vorstellung der AfD wird kaum noch ein Arbeitnehmer seine Familie versorgen können, wenn sein Arbeitslohn nicht utopisch ansteigen sollte.

Das Grundsatzprogramm der AfD katapultiert unsere Gesellschaft mindestens zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Die Idee, dass Großfamilien sich weitgehend autark versorgen und ein Familienmitglied mit seinem Einkommen den Lebensstandard sichert, ist weder zeitgemäß noch realisierbar. Der Sozialstaat nach derzeitigem Solidaritätsprinzip würde nicht mehr existieren. Gerade eine Vielzahl der AfD- Wähler profitieren vom aktuellen Sozialprinzip. Genau genommen könnten sich die als Feindbild auserkorenen Migranten eher mit einem Modell nach Art der AfD arrangieren, so denn sie als deutsche Staatsbürger hier noch leben dürften.

Quelle: AFD-Grundsatzprogrammentwurf

 

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