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Onlinesekte #ichbinhier

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Im Dunstkreis der politischen Auseinandersetzung mit Hatespeech (Hassrede) und Fakenews (Falschmeldungen) im Internet hat sich eine Aktivistengruppe, die sich wie der gleichnamige Hashtag #ichbinhier nennt, etabliert.

Die Schaltzentrale von #ichbinhier bildet eine geschlossene Facebook- Gruppe mit gleichem Namen.

WIR SIND
eine überparteiliche Aktionsgruppe für eine bessere Diskussionskultur und gegen Hetze in den Sozialen Medien.

Mit dieser vielversprechenden Aussage beginnt das Regelwerk der Gruppe. In der Folge werden die Gruppenregeln vorgestellt, welche von jedem Aktivisten eingehalten werden sollen. Unklar bleibt, wer diese Regeln aufgestellt hat, aber es wirkt nicht so, als seien sie demokratisch zustande gekommen.

Leitgedanke ist, durch besonnenes Reagieren bzw. Kommentieren von gesellschaftskritischen Medienberichten, eine bessere Debattenkultur befördern zu können. Man will mit Fakten und Freundlichkeit den Hetzern in den Kommentarspalten mutig entgegentreten.

Die Mitglieder dieser Facebook- Gruppe werden auf Schwarmverhalten konditioniert. Sie sollen andere #ichbinhier– Aktivisten in Kommentar- Gefechten mit destruktivem Charakter unterstützen. Bis hier hin klingt dieser Aktivismus charmant und Unterstützens wert, wenn man glaubt, auf diese Weise konstruktiv einen Beitrag gegen Hass, Hetze und Falschmeldungen im Netz leisten zu können.

Initiator der Aktion ist ein gewisser Hannes Ley, dessen Facebook- Aktivitäten, geht man von seinem Profil aus, doch eher bescheiden wirken im Gegensatz zu der von ihm inszenierten Aktion #ichbinhier. Beruflich ist er Geschäftsführer der Firma The Main GmbH, die unter anderem ihren Kunden Kommunikationsstrategien anbietet.

Somit ergibt allein die Wahl des Namens #ichbinhier eine wohl kalkulierte Zielsetzung.  Hashtags auf Online- Plattformen (Twitter, Facebook u.a.)  sind wie Verkehrsschilder im Straßenverkehr. Sie generieren virale Effekte.  Der Aktivistenschwarm ist daher auch nahezu inaktiv in der eigenen Facebook- Gruppe, wie es auch in den Gruppenregeln explizit verlangt wird, aber umso umtriebiger in den Kommentarspalten zu etlichen Facebook- Beiträgen.

Die Schwarmaktionen werden als Morgen- oder Abendaktion von Moderatoren oder Administratoren der Gruppe vorgegeben. Mein Versuch, ebenfalls eine Aktion zu starten, scheiterte, ohne ein Feedback zu bekommen. Das spricht für sich.

Die Struktur dieser Facebook- Gruppe wirkt sektenhaft. Es gibt einen großen Meister und einige Führungskräfte in dessen virtueller und auch realer Nähe.  Der große Rest der Gruppenmitglieder (28276 – Stand 31.03.2017) rennt dann mit der ihnen gestellten Aufgabe los in die vorgegebenen Kommentarspalten, um fleißig das Hashtag #ichbinhier zu platzieren und dahinter einen mehr oder weniger zielführenden Kommentar zu schreiben.

Auffällig ist, dass die Aktivisten mit ihren inzwischen bei vielen anderen Kommentatoren als nervig empfundenen #ichbinhier Hashtag eher selten auf richtig heftige Hasskommentare reagieren, sondern vielmehr ihre eigene Meinung bekunden wollen.  So gut gemeint dieser Aktionismus sein mag, so schlecht wird es allerdings auch umgesetzt. Hier sind einige Beispiele:

 

In einem Artikel von NTV wurde über einen Syrer berichtet, der sich in einem Flüchtlingscamp im Griechenland selbst in Brand gesetzt hatte. Der #ichbinhier– Aktivist behauptet, dass zu diesem Ereignis Smileys gepostet wurden und unterstellt, dass es Kommentatoren geben würde, die das amüsant finden. Das ist schwer nachzuvollziehen, weil der Kommentar als Einzelkommentar zum Artikel und keineswegs als Antwort zu einem solchen beanstandetem Kommentar geschrieben wurde. Tatsächlich war bis zu diesem Kommentar des #ichbinhier– Aktivisten kein Kommentar zu finden, der ein (lachendes) Smiley verwendet hätte. Durchaus findet man Kommentare, die es an Empathie vermissen lassen, doch von Hassreden sind selbst diese noch weit entfernt. Freilich liegt das im Auge des Betrachters und macht die gesamte Diskussion um Hatespeech nicht leichter.

Auch dieser Kommentar eines #ichbinhier– Aktivisten nimmt keinen Bezug auf einen konkreten Hasskommentar.  Es scheint eine reine Meinungsäußerung zu sein und der Schreiber scheint die Person, die hier im Mittelpunkt der Berichterstattung steht, ziemlich gut zu kennen.  Mit der Zielsetzung des Aktionsbündnisses hat dieser Kommentar kaum noch etwas zu tun. Aber man hat die Gewissheit, dass viele Mitstreiter der Facebook- Gruppe mit „Likes“ diese Position unterstützen, denn so wird das innerhalb der Facebook- Gruppe verabredet.

Und so sieht es dann in der Facebook- Gruppe dann aus, wenn eine bestimmte Aktion gestartet wird:

Die Artikel werden vorgegeben und man gibt auch immer gleich ein Credo mit, dass die Aktivisten auch sicher in die vordefinierte Richtung argumentieren. Und natürlich denkt man stets an den viralen Effekt. Eine Abstimmung innerhalb der Facebook- Gruppe ist unerwünscht und wird gar nicht erst geduldet.  Dementsprechend unvorbereitet und wenig faktenorientiert fallen dann die Kommentare der Aktivisten aus, die wie gewöhnlich nie als Antworten zu den erwähnten Hasskommentaren geschrieben werden, sondern stets als eigenständige Meinungsbekundungen auftauchen, die pauschal Empathielosigkeit anderer Personen verurteilen und einzig ihre Sicht der Dinge als das korrekte Weltbild propagieren.

Belegbare Fakten werden eigentlich nie in die Argumentationskette aufgenommen. Es sind vorwiegend Meinungen, die im Kollektiv gestützt werden, dass manche tatsächlich glauben, dass die Schwarmintelligenz diese Meinungen zu Fakten werden lässt.

So charmant der Gedanke erscheinen mag, Hass und Hetze in den sozialen Netzen mit „differenzierten“ und „bedachten“ Kommentaren entgegen zu wirken, so dilettantisch wirkt an vielen Stellen die Umsetzung.

Sich in einer Facebook- Gruppe zu organisieren, um gegen Hass, Hetze und Falschmeldungen in sozialen Netzen vorzugehen, ist sicher nicht die schlechteste Möglichkeit. Dort sollte man jedoch gemeinsam Strategien entwickeln. Der Sektencharakter dieser Facebook- Gruppe wirkt negativ, auch irgendwie wie ein Bienenvolk. Die Macher selbst bleiben im Hintergrund, entwickeln die Tagesprojekte für die Aktivisten, werden aber selbst „fast“ nie aktiv an der Front, die sie selbst eröffnet haben.

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Wie man mit virtuellen Wattebällchen gegen FakeNews kämpft!

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Der politische Druck zwingt den Internet- Konzern Facebook gegen Falschmeldungen und Hetze im eigenen sozialen Netzwerk vorzugehen. Die Bundesregierung verlagert heikle juristische Sachverhalte regelrecht komplett in die Verantwortung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens, welches selbst den Gesetzen anderer Staaten (USA, Irland) unterliegt. Facebook sucht derweil Unterstützung bei deutschen Journalisten und scheint hierbei eine Kooperation mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum correctiv.org eingegangen zu sein.

Das Konzept sieht vor, dass Meldungen über sogenannte FakeNews an ein Recherche- Team übermittelt werden, welches diese Meldungen dann überprüfen soll. Als FakeNews entlarvte Meldungen werden nicht gelöscht, sondern sollen entsprechend markiert werden. Immerhin kann dann der Vorwurf von Zensur weitgehend vermieden werden. Allerdings erreichen potentiell als FakeNews beanstandete Meldungen erst ab einer nicht transparent definierten Anzahl die Prüfer. Das allein kann schon zur Schwachstelle werden, denn wer ohnehin nicht erkennt, dass man ihm eine Unwahrheit präsentiert und nicht einmal einen solchen Verdacht schöpft, wird wohl kaum eine solche Beanstandung an Facebook senden.

Technisch scheint das Konzept ebenfalls längst nicht ausgereift zu sein.

 

Es sollte meiner Meinung nach nicht auf Facebook sein.

Die Meldefunktion für FakeNews ist zunächst einmal dezent versteckt und selbst der Text verrät nicht wirklich, dass man damit Falschmeldungen beanstanden kann. Ein kleines graues Symbol im oberen rechten Eck eines jeden Statusbeitrags ermöglicht das Aufklappen eines Menüs, wo man unter anderem einen „Beitrag melden“ kann. Danach folgt der Nutzerdialog, der nicht immer eindeutig ist.

 

Im 3. Dialogfenster erhält man dann endlich den eindeutigen Hinweis, FakeNews anzeigen zu können. Leider erscheint nicht immer das gleiche Fenster und man erhält dann auch nicht die Möglichkeit, FakeNews melden zu können.

 

Unerklärlich bleibt demnach, warum die Möglichkeit des Anzeigens von FakeNews nicht immer zur Verfügung steht. Im Grunde könnte daraus wieder der Vorwurf einer Zensur abgeleitet werden.

 

Ansonsten verwirrt das darauffolgende Dialogfenster erheblich. Eigentlich kann man nur recht ineffektive Aktionen gegen FakeNews ausführen und nichts deutet darauf hin, dass man damit eine FakeNews auch abschließend beanstandet hat. In Tests haben etliche Leute an dieser Stelle abgebrochen, weil Ihnen nämlich keine der 3 angebotenen Varianten sinnvoll oder zweckdienlich erschien.

 

Wählt man die Möglichkeit, dem Verbreiter etwaiger FakeNews eine Nachricht zu senden, hat sich aus bisherigen Tests ergeben, dass die Adressaten nicht darauf reagieren. Wie und wo nun die Prüfer von correctiv.org aktiv werden, bleibt vorerst völlig unklar. Die bis jetzt als FakeNews gemeldeten Beiträge existieren in unveränderter Form und pflanzen sich ungestört durch das soziale Netzwerk fort.

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ForceNews: Die Logik des zerzausten Äffchens

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Als Falschmeldungen kann man die Berichte über russische Hackerangriffe, welche Wahlen in demokratischen Staaten manipulieren würden und wollten, nicht wirklich klassifizieren. Allerdings anstatt sie als FakeNews zu bezeichnen, würde der Anglizismus „ForceNews“ eher zutreffen. Diese Nachrichten sind nämlich keinesfalls falsch oder erfunden, aber in geballter Form werden Spekulationen wie Tatsachen behandelt, wobei die tatsächlich vorhandenen Fakten in vorgegebene Richtungen getrieben werden. Denn wenn man die Medienberichte zu den angeblichen Hackerangriffen, die die US- Wahl beeinflusst haben sollen, genauer betrachtet, sind eklatante Defizite in der tatsächlich vorhandenen Faktenbasis zu erkennen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste persönlich Cyber-Angriffe angeordnet, um die Wahlchancen des Republikaners Donald Trump zu erhöhen. Es könne „mit großer Sicherheit“ davon ausgegangen werden, dass Putin selbst hinter der Kampagne zur Beeinflussung der Wahl in Amerika stehe, hieß es in einem Bericht von CIA, FBI und NSA.

Quelle: FAZ

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Einschätzung der US-Geheimdienste eine Kampagne angeordnet, um den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Russland habe das Ziel verfolgt, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu verunglimpfen und ihre Chancen auf einen Wahlsieg zu schmälern, heißt es in einem Bericht von NSA, FBI und CIA, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Quelle: Zeit Online

Bemerkenswert übereinstimmend selbst in der Wortwahl sind die Berichte zu diesem Thema in fast allen Leitmedien. Beweise gibt es allerdings keine. Weil eben die Cyber- Angriffe im Code der Schadsoftware kyrillische Zeichen vorweisen, laut Meta- Daten die Herkunft auf russische Server verweist und die Struktur das Muster eines russischen Hackerkollektivs namens APT28 andeutet, wird unisono diese Annahme als nahezu erwiesen dargestellt.

Filtert man den erheblichen Anteil an Sensationsgeilheit und den voreilenden Gehorsam gegenüber amerikanischen Sicherheitsinstitutionen heraus, bleiben ernüchternde Sachverhalte übrig.

War nicht Hillary Clinton maßgeblich selbst dafür verantwortlich, dass sie leichtfertig in einer solch sensiblen Position dienstlichen Emailverkehr über private Mailserver absolvierte?

Wieso legen die amerikanischen Geheimdienste nicht jene Beweise vor, die angeblich den manipulativen Einfluss Russlands auf die US- Innenpolitik offenbaren?

Ganz bestimmt ist Wladimir Putin kein unschuldiger Chorknabe und nachweislich kein vorbildlicher Demokrat. Jedoch die Doktrin vom bösen Russen, der hinterhältig den kalten Krieg schleichend neu beleben will, wirkt geradezu verzweifelt, indem man eigene Fehler vertuschen möchte.

Es lohnt sich an dieser Stelle die Gedanken etwas in die jüngere Vergangenheit schweifen zu lassen, als ein gewisser Edward Snowden die Machenschaften der NSA und weiterer westlicher Geheimdiente aufdeckte und übrigens hierfür sogar unwiderlegbare Beweise vorlegen konnte.

Selbst das Abhören des Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Merkel, was lediglich die Spitze des Eisbergs allumfassender Cyber- Spionage darstellte, konnte die Bundesregierung so aus der Fassung bringen wie die jetzt angenommene Bedrohung der Bundestagswahl 2017 durch russische Hackerangriffe. Der SPD- Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann äußerte sich vorbeugend panisch:

Gezielte Propaganda und Hackerangriffe aus dem Ausland werden eine große Herausforderung für den deutschen Wahlkampf sein.

Quelle: Focus Online

In IT- Fachkreisen werden solche spektakulären Horrorszenarien aus der virtuellen Welt deutlich entspannter betrachtet. Wie bereits beim mutmaßlichen Cyber- Angriff auf die Netzinfrastruktur (Parlakom)  des deutschen Bundestags hervorging, handelte es sich um Emailanhänge, die eine Malware beinhalteten. Solche verseuchten Emails erhalten täglich Millionen Internetnutzer. Zwar waren diese gefälschten Emails gezielt an Parlamentarier adressiert, aber simple Sicherheitskonzepte hätten diese recht banale Form einer Cyber- Attacke völlig belanglos werden lassen. Man könnte es auch mit einer Weisheit aus dem konventionellen Alltag umschreiben:

Wer im Regen steht und den Regenschirm nicht aufspannt, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nass wird.

Nachrichten, welche also suggerieren, dass gewisse Umstände entsprechende Ereignisse hervorrufen könnten und diese Nachrichten massiv mit Spekulationen angereichert werden, deren  Gesamtinformationsgehalt nur einen minimalen Faktenanteil besitzt, sind keine FakeNews, sondern ForceNews.

Es existieren also einigermaßen schwammige Tatsachen zu einem Vorfall, worum eine Geschichte gebastelt wird, die mit den reinen Fakten kaum noch etwas zu tun hat. Ein hervorragendes Beispiel liefert der angebliche Cyber- Angriff auf die Telekom:

Auch bei der jüngsten Attacke auf die Telekom gibt es kaum Beweise. Aber es gibt zeitliche Zusammenhänge. Und die lassen den Schluss zu, dass solche Angriffe Teil der russischen Strategie sind.

Das war ein kleiner Warnschuss an Deutschland, nicht wahr? Ein digitaler Warnschuss ins Wohnzimmer, pünktlich zum ersten Advent, mit der Telekom als Boten. Eine kleine Aufmerksamkeit für all diejenigen, die den Internetangriff auf den Bundestag im September 2015, zwei Jahre vor der Bundestagswahl, nicht ernst genommen haben.

Quelle: Welt

Ziemlicher Unsinn ist das, was quasi alle Leitmedien damals zunächst über den Ausfall von ca. 900000 Internetroutern einiger Typen der Speedport- Reihe zu berichten hatten. Tatsächlich war es eine Nachlässigkeit der Telekom, die Geräte nicht ordnungsgemäß mit einem erforderlichen  Firmware- Update auszustatten. Es war ein üblicher, keineswegs zielgerichteter Angriff auf weltweit alle Geräte, die eine sogar lange bekannte Sicherheitslücke nicht geschlossen hatten. Die Routermodelle der Telekom waren eher zufällig betroffen. Dennoch wurde zunächst von staatlichen Institutionen und auch der Bundesregierung selbst die Mutmaßung über einen russischen Cyber- Angriff öffentlich kolportiert.
Sind solche Halbwahrheiten, welche bewusst oder auch unbewusst durch eigentlich als seriös geltende Medien verbreitet werden nun FakeNews? Oder sollte man nicht doch etwas mehr differenzieren?
Womöglich sind solche ForceNews noch gefährlicher als handfeste FakeNews, die als solche eindeutig widerlegt werden können.  Denn wie man erkennen kann, reden Politiker und Medien beim Telekom- Routerausfall sowie bei der Malware- Infektion von Bundestags- Computern immer noch von gezielten russischen Cyber- Angriffen…

 

 

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