Meine Bettpfanne ist voll, Schwester!

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Da liegt er nun, der Herrmann- Georg, im Bett direkt am Fenster, Zimmer 151 auf Station “Innere”. Als gewöhnlicher Kassenpatient beginnt die Therapie bei einem bevorstehenden operativen Eingriff bereits bei der Ankunft im 3- Bett Etablissement. Denn in der Mitte will niemand liegen…

Dass letztendlich die endgültige Parksituation des Patienten eigentlich nicht das schlimmste Problem während eines Krankenhausaufenthalts sein sollte, wurde gesellschaftlich wie medial lange Zeit ignoriert.

Quelle: http://www.pflege-am-boden.de/
Quelle: http://www.pflege-am-boden.de/

Ja, da gibt es diese schrecklichen Krankenhauskeime, welche Patienten zusätzlich zu Opfern einer gescheiterten Hygiene- Strategie werden lassen. Methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA), wie die Fachleute und jene, die es gerne sein wollen, die Problematik artikulieren, besitzt schließlich das Potential, mediale Beachtung zu bekommen. Unendlich viele TV- Talkrunden, hochrangig mit Politikern und Titelträgern besetzt, diskutieren das Thema einfach nieder, während Herrmann- Georg seit einer gefühlten Ewigkeit auf Schwester Irmgard wartet, die ihm seine inzwischen geruchsintensive Bettpfanne entwenden solle. Schwester Irmgard hat Mittagschicht und teilt sich mit Kollegin Jutta Station 2 mit 50 belegten Betten. Das verhält sich dann eben so wie an der Wursttheke, wo die Kunden artig ihr Nummernlos ziehen…

Vor Jahren glaubte man, mit einer pfiffigen Idee vom Problem der Überbelastung durch akuten Personalmangel mit subtiler Theorie begegnen zu können. Doch jenes Qualitätsmanagement erzeugte eigentlich nur zusätzlich Bürokratie für Pflegekräfte, die ihre Berufung ganz woanders verortet sehen.

Man benötigt schon eine gehörige Portion Enthusiasmus, einen Pflegeberuf zu ergreifen, der bei Unterbezahlung ein Höchstmaß an Einsatz erwarten lässt. Schwester Jutta und Schwester Irmgard finden ihren Beruf dennoch toll, auch wenn Hermann- Georg nicht begreifen kann oder will, dass jenes Gesundheitssystem im Prinzip dafür verantwortlich ist, dass seine Bettpfanne ein Druckmuster auf seinem Allerwertesten hinterlässt. Eigentlich sollte er zufrieden sein, dass Schwester Irmgard sich die Zeit nimmt, nach jedem Patientenkontakt vorschriftsmäßig die Hände zu waschen, um ihn vor einer möglichen Infektion durch einen fiesen Krankenhauskeim zu bewahren.

Nichts spricht gegen Privatversicherte mit Chefarztbehandlung und Einzelzimmer, wenn diese Sonderleistung angemessen vergütet und dadurch nicht eine Ungleichbehandlung gegenüber Pflichtversicherten befördert wird. Die ethische und moralische Grenze wird aufgrund monetärer Überlegungen leider oft überschritten. Schwester Irmgard und Schwester Jutta sträuben sich übrigens nicht gegen ein weiteres Teammitglied. Es ist ein teilweise marodes Gesundheitssystem, welches schon lange reformbedürftig ist. Wäre Kassenpatient Herrmann- Georg trotz dieser absurden Vorstellung Bundestagsabgeordneter, der demnächst nach bestem Wissen und Gewissen über die Zukunft der Pflege entscheiden müsste, würde er sich gewiss an seine Bettpfanne erinnern…

An dieser Stelle wünscht Soziales Netzwerk den Aktivisten von “Pflege am Boden” viel Erfolg. Bemerkenswert solidarisch zeigen sich alle möglichen Parteifunktionäre, auch jene, die seit Jahren hätten etwas ändern können.

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