Qualitätsjournalismus versus Adblocker

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Das Geschäftsmodell von Presseverlagen versucht sich an die Bedingungen des Internets anzupassen.  Nachdem Versuche durch massive Lobbyarbeit gescheitert sind, mit Hilfe des Gesetzgebers das antiquierte Geschäftsmodell des Prä- Internetzeitalters zu erhalten, versucht man mit Werbung und Nutzerdaten die sinkenden Einnahmen durch konventionelle Produktsparten auszugleichen.

An Werbung haben sich Medienkonsumenten gewöhnen müssen. Doch das ungefragte Absaugen von Nutzerdaten besitzt definitiv eine andere Qualität. Dem wirken sogenannte Adblocker bzw. Antitracking- Tools entgegen. Das wollen die Verlage nicht einfach so hinnehmen.

Quelle: Bild.de
Quelle: Bild.de
Quelle:Bild.de
Quelle:Bild.de

 

 

 

 

 

Die Bildzeitung blendet eine entsprechende Hinweis- Seite ein, wenn erkannt wird, dass die eigenen Tracker blockiert werden. Man appelliert an die Leser, dass auch hochwertiger Journalismus Kosten und Aufwand produziert und die Journalisten auch für ihre Arbeit bezahlt werden müssen. Das kann man verstehen und ist auch so vollkommen akzeptabel.

Quelle:Spiegel.de
Quelle:Spiegel.de

Auch beim Spiegel verfolgt man seit einiger Zeit diese Strategie.  Würde es ausschließlich um Werbung gehen, die man ertragen muss, um kostenlos einen Artikel zu lesen, könnte man das sicher nachvollziehen. Allerdings werden auch ungefragt Nutzerdaten von Besuchern der Internetpräsenz gesammelt und kommerziell weiterverarbeitet.

Bei Spiegel.de konnte das Anti- Tracking Tool Ghostery 11 Tracker ausfindig machen.

Was genau von den Besuchern ohne deren Zustimmung abgegriffen wird, ist nicht ganz sicher. Meist wird es so oder ähnlich beschrieben:

Was bedeutet das nun für den Besucher einer solchen Seite? Welchen Browser der Besucher verwendet, hat eher statistische Bedeutung.  Mit Cookies lassen sich Internetsurfer regelrecht durchs Netz verfolgen. Man kann damit quasi ein virtuelles Bewegungsprofil erzeugen. Die IP- Adresse macht aus einem anonymen Internetnutzer immerhin einen identifizierbaren. Insbesondere wenn ein Nutzer noch andere Internetdienste parallel nutzt, die eine Registrierung bzw. Identifizierung verlangen (Amazon, Facebook, Google uvm.) darf man sicher sein, dass die erlangten Datensätze sehr individuell Personen zugeordnet werden. Mit diesen Daten wird dann Handel betrieben, um beispielsweise personalisierte Werbung zu generieren. Die Benutzerprofile werden mit der Zeit so genau, dass sich mancher Hausarzt freuen würde, so gut die Lebensgewohnheiten seiner Patienten zu kennen.

Nicht jeder möchte allerdings, dass fremde Unternehmen und Menschen alle möglichen Details aus dem eigenen Leben erfahren. Mit Adblockern und Anti- Tracking- Tools kann man diese Datensammelwut einschränken, allerdings nicht vollkommen abschalten.

Die Bildzeitung wusste nicht, ob die Leser der Printausgabe diese im Zugabteil, im Wartezimmer oder gar auf der Toilette lasen. Jetzt wissen sie auch das und noch viel mehr. Will man das wirklich?

 

 

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